Specielle Krankenversorgung für Schüler und Waisen. 147
lung der Schuljugend in Krankheitsfällen als Hauptaufgabe des Schul-arztes hinzustellen. Der Schularzt muss vielmehr, wenn er seiner Stel-lung nicht den Boden entziehen und nicht mit verschiedenen Factorenin Conüict gerathen will, das Ziel, seiner Thätigkeit in erster Linie aufdie praeventive Gesundheitspflege verlegen. Nicht kranke Schulkinderzu behandeln, sondern die gesunden Schüler vor Krankheiten und Schä-digungen .an Körper und Geist durch Fernhalten von Schädlichkeiten zuschützen, soll seine Aufgabe sein." Wir können diese Auffassung alsfür unsere Verhältnisse passend anerkennen, müssen aber doch daraufhinweisen, dass man an einzelnen Orten sich durchaus nicht gescheuthat, in der Schule selbst kranken Kindern, die durch die Krankheitnicht am Schulbesuche gehindert sind, eine zweckentsprechende Behand-lung angedeihen zu lassen. In Antwerpen ist eine solche, medicationpreventive genannt, bereits seit den achtziger Jahren in allen städtischenFreischulen eingeführt. Dr. med. Desguin 1 ), conseiller communal,echevin de l'Instruction publique de la ville d'Anvers, berichtet bereits1888 darüber: Der praeventiven Medicin sind jene Schulkinder unter-worfen, welche, ohne eigentlich krank zu sein, d. h. ohne verhindert zusein, an dem Unterricht Theil zu nehmen, sich in einem Gesundheits-zustande befinden, der gewisse Fürsorge erfordert, so die anämischen,die Constitutionen schwachen, die rachitischen, diejenigen, welche Lymph-drüsen aufweisen, welche gewisse Augen- und Ohrenleiden haben. KeinKind mit einer ansteckenden Krankheit darf einer Behandlung in derSchule unterworfen werden, sondern wird sofort in die Familie zurück-gewiesen. Die in genannter Weise Leidenden — so führt Desguin aus— werden häufig durch Unwohlsein, dem sie öfter als Kinder mit guterGesundheit ausgesetzt sind, gezwungen, einen oder mehrere Tage zuHause zu bleiben, ein Umstand, der sie in ihrer Fortbildung wesentlichaufhält und eine Störung in der Fortführung des Unterrichts im Gefolgehat. Die praeventive Medicin hat den Zweck, dies zu verhindern oderwenigstens die Zahl dieser Absenzen zu verringern bei gleichzeitiger Ver-besserung des Gesundheitszustandes der Kinder; sie wird ferner in allenFällen die Entwickelung constitutioneller Krankheiten, zu welchen jeneKinder hinneigen, hintanhalten. Als einen besonders mächtigen Factorder praeventiven Medicin bezeichnet Desguin die Gymnastik, die auchin den. dortigen Schulen in zweckentsprechender AVeise geübt wird. Injeder Schule besteht ein Register, in welchem neben dem Namen, demAlter und Wohnort der Schulkinder, das Datum des Eintritts in dieSchule, die besonderen Ursachen der praeventiven Behandlung, die Datendes Beginnes und des Aufhörens derselben und die erhaltenen Resultateverzeichnet sind; letztere müssen mindestens alle 3 Monate eingetragenwerden. Während der ersten 14 Tage jedes Vierteljahres lassen dielnspectionsärzte der Administration einen eingehenden Bericht über die
1 ) Zeitschi', f. Schulgesundheitspflege 188S. S» 28711. Die ärztliche Inspectionder Schulen, ihre Organisation, ihre Resultate.
10*