Druckschrift 
2,2 (1903)
Entstehung
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145
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Specielle Krankenversorgung für Schüler und Waisen. 145

bestimmt ist, und dieselben aufklärt." Auch in der officieilen Ueber-sicht 1 ) heisst es:nach den guten Erfolgen der Hilfsschulen ist beson-ders erfreulich, dass die frühere Abneigung der Eltern gegen die Ab-sonderung ihrer schwach begabten Kinder zu weichen beginnt." Wirfinden hier in diesem officiellen Berichte ebenso wie bei manchen dercitirten Autoren die Bezeichnung Schwachbegabte, wo es eigentlich nachunserer Definition Schwachsinnige heissen sollte; denn die Schwach-begabten, wie wir sie auffassen, gehören nicht in die Hilfsschule. DerLehrer darf nicht so weit gehen, seine Klasse von allen langsamen Den-kern etwa befreien zu wollen; mit den Schwachbegabten hat die Volks-schule unbedingt zu rechnen, ihnen kann sie nicht die Thüre verschliessen.Die Ziele der allgemeinen Volksschule sind nichts Absolutes und Ob-jeetives, sondern haften an dem Material, das ihnen nahegebracht werdensoll; und dieses Material und seine körperliche und geistige Beschaffen-heit hat die Ziele nöthigenfalis zu moderiren. Darum sind die Hilfs-schulen mit gekürzten Lehrzielen durchaus verwerflich (eben für dieseSchwachbegabten natürlich); rechtfertigen lässt sich nur eine Nachhilfezu weit zurückgebliebener, körperlich krank gewesener, durch besondereVerhältnisse in Schule und Haus nachtheilig beeinflusster, aber sonstnormaler Kinder; doch bezieht sich die Nachhilfe nur auf kurze Zeitund verfolgt nur den Zweck, eine Einordnung in eine höhere Klasse zuermöglichen. Wollten die Behörden, nachdem die Volksschule von denSchwachsinnigen befreit ist, sich dieserNachhilfe auf kurze Zeit" für-sorglich annehmen, so dürfte der Gedanke an eine Hilfsschule mit ge-kürzten Lehrzielen überhaupt erledigt sein, auch für den, der wenigerempfindlich über eine Dcgradirung innerhalb der allgemeinen Volks-schule denkt" 2 ). Hierin ist Alles gesagt, was für die Schwachbegabtenzu thun ist.

Wenn wir uns hier mit der Fürsorge für die geistig Dcfectcn inder Schule eingehender beschäftigten, so geschah dieses, weil geradediese Frage bisher sowohl den Aerzten als auch dem grossen Publicummeist fremd ist, und es nothwendig erschien, auch in weiteren Kreisenhierfür Interesse und Verständniss zu erregen. Aber mit der besonderenPflege und Aufmerksamkeif, die solchen Kindern gespendet werden soll,ist noch durchaus nicht Alles geschehen, was an Krankenpflege dieSchule zu bieten hat und bieten muss. Dr. Litteljohn 3 ) fand unter14 000 Schulkindern 3274 Krankheitsfälle vor, also ca. 24 pCt.; beieiner Untersuchung von 11 959 Schulkindern im Medicinalbezirke Ma-rienberg (Sachsen) 4 ) fanden sich 479 kurzsichtige Kimler, 281 schwer-hörige, 184 krummsitzende oder mit hoher Schulter behaftete, 299 den

i. 1 ) Centralblatt f. d. g. Unt. Pr. 1896.

2 ) Fuchs, 1. c.

3 ) Practitioner. Juli 1897.

4 ) 27. Jahresbericht des Landesmedicinalcollegiums über das Medicinalwesenim Königreich Sachsen auf das Jahr 1895.

Handbuch der Krankenversorgung u. Krankenpflege. II. Bd. 2. Abth. in