Specielle Krankenversorgung für Schüler und Waisen. 143
weit mehr belastet, als es sonst der Fall ist; es gehört eine selbstlose,opferfreudige Arbeitslust dazu, sich diesen elendesten unter den Kindernausschliesslich zu widmen; es erfordert auch eine besondere Vorbildungin psychologisch-pädagogischen Dingen') und in Behandlung von Sprach-gebrechen, ferner eine sorgfältige Ausbildung im Handfertigkeitsunter-richt. Eine Funktionszulage für den Lehrer der Hilfschule erscheint so-mit als durchaus gerechtfertigt und wird auch in der Höhe von 200 bis300 Mark für den Lehrer, 3—500 für den Leiter der Schule überall zu-gestanden. Dazu kommen dann die Mehrkosten, welche eine eigeneSchule für eine beschränkte Schülerzahl im Gegensatze zu einer vollbe-setzten Schule verursacht. Die Kosten sind an den verschiedenen Ortennicht ganz gleich, sie schwanken für das Kind und Jahr von 58 bis153 Mark; in Braunschweig betragen sie 120 M., in Elberfeld 100 M.,während dort der Volkschüler nur 44 M. Kosten verursacht. Da aber,wie oben erwähnt, ca. 80 pOt. der Kinder erwerbsfähig werden, so istdie grössere Ausgabe als ein von der Commune gut angelegtes Kapitalanzusehen, das sie vor einer Anzahl sicherer Almosenempfänger und oftgenüg auch vor Verbrechern schützt; umsomehr hat die einzelne Ge-meinde ein Interesse an der Erziehung der Schwachsinnigen, da geradediese am wenigsten leicht sich von der Scholle trennen und so dauerndihrem Heimathsorte zur Last fallen. Einzelne Oommunen gehen daherauch weiter und bemühen sich, auch nach Beendigung des Schulbesuchesfür diese Kinder zu sorgen, indem sie dieselben zu tüchtigen Meisternin die Lehre bringen, denen sie einen Zuschuss zu dem üblichen Lehr-gelde gewähren, um die Lehrherren zu grösserer Sorgfalt in der Erzie-hung und zu ausdauernder Geduld anzuspornen.
Die Zahl der Hilfsschulen hat in den letzten Jahren in Deutschlandsehr zugenommen; während nach einer Statistik von Kieihorn 1894in 30 Hilfschulen von 115 Lehrern in 110 Klassen 2290 Schüler unter-richtet wurden, werden 1898 von AVintermann 2 ) in 53 Städten 202Klassen mit 225 Lehrkräften und 4280 Kindern aufgezählt. Diese Zu-sammenstellung ist nicht ganz vollständig, da in Wirklichkeit wohl gegen6000 Kinder z. Z. in Hilfsschulen untergebracht sind; dennoch aber ge-nügt die Zahl dieser letzteren in keiner AVeise, da in Deutschland un-gefähr 60000 Schwachsinnige und Schwachbegabte zu versorgen wären.
Halle a. S. und Dresden waren die ersten Städte, welche 1863 und1867 bereits Nachhilfeklassen einrichteten, aus denen sich dann selbst-ständige Hilfsschulen entwickelten. Es folgten Gera (76), Apolda (77),Elberfeld (79), Braunschweig und Leipzig (81), Halberstadt und Dort-mund (83), Königsberg i. Pr., Crefeld, Chemnitz (85), Guben, Köln(86), Düsseldorf, Cassel, Aachen, Karlsruhe, Lübeck (88), Bremen, Al-
x ) In Jena werden Feriencurse für die pädagogische, psychologische, psychia-trische, hygienische Ausbildung der Lehrer gehalten.
2 ) Beiträge zur Kinderforschung. Heft 111. Die Hilfsschulen Deutschlands vonWintermann. Langensalza 1898.