Specielle Krankenversorgung für Schüler und Waisen. 141
erhält eine um den Hals zu bindende Serviette. Den Dienst während desEssens versieht ein für diesen Zweck angestellter Aufwärter unter Auf-sicht von 2 Lehrern und einer Lehrerin.
An den meisten bestehenden Hilfsschulen sind Knaben und Mäd-chen in den Klassen vereint; man vertheile dann die Geschlechter aufdie rechte und linke Seite des Schulraumes, beim Hinuntergehen mögendie Mädchen zuerst, beim Hinaufgehen die Knaben vorangehen. Wenndie Schülerzahl genügend gross ist, trenne man die Geschlechter.
Die Schulräume sind vortheilhaft in besonderen Schulhäusern unter-zubringen, da es gut ist, jede Berührung dieser Kinder mit denen derVolksschule zu vermeiden; da jedoch die Hilfsschulen meist im Yerhält-niss zu andern Schulen eine sehr geringe Schülerzahl haben, würde dieBeschaffung eigener Nebenräume wie Turnhalle, Schulbaderaum etc. un-verhältnissmässig hohe Kosten verursachen. Es ist darum auch ge-wöhnlich Anschluss an eine Volksschule üblich. Dabei ist es zuempfehlen, wie z. B. in Charlottenburg, ein abgesondertes Schulhausmit eigenem Eingang auf dem Gesammtterrain zu errichten und so dieMitbenutzung der Nebenbauten der Hauptschule zu ermöglichen. Jeden-falls sollen in solchen Fällen die Kinder der Hilfsschule ungefähr1 / i Stunde später kommen und 1 / i Stunde früher gehen als die anderenSchüler, um unliebsame Reibereien und Neckereien zu vermeiden. DieSchule muss möglichst central gelegen sein, um, so weit es angeht, garzu weite Wege zu vermeiden; in sehr grossen Städten, in denen nichtmehrere Schulen in den einzelnen Stadttheilen angelegt werden können,empfiehlt es sich, an eine centrale Schule mehrere Unterklassen in derPeripherie der Stadt anzuschliessen. Grade die unterste Klasse wirdimmer die wichtigste sein, da in ihr die Denk- und Auffassungsfähigkeiterst erschlossen werden muss; hier am meisten wird daher auch aufeine geringe Schülerzahl, welche eine eingehende Beschäftigung desLehrers mit jedem einzelnen Kinde ermöglicht, geachtet werden'müssen.Auch sind grade die jungen Kinder der Unterstufe vor allem vor weitenSchulwegen zu schützen, welche den älteren schon eher zugemuthetwerden können.
Für alle Kinder sind genaue Personalbogen anzulegen, enthaltend:das Nationale der Kinder und der Eltern, hereditäre Verhältnisse, über-standenc Krankheiten, körperlicher Untersuchungsbefund, Dauer desfrüheren Schulbesuches, Erfolg desselben, Prüfungsresultat bei der Auf-nahme. Dieser Bogen muss regelmässig alle Semester weitergeführt und 'auch noch möglichst lange nach der Entlassung ergänzt werden. Eingenaues Schema eines solchen Personalbogens, wie er in Leipzig üblichist, wird in der Zeitschrift für die Behandlung Schwachsinniger undEpileptiker 1894. No. 5 u. 6 wiedergegeben. Ein kürzeres Schemabringt Kalischer 1 ).
, *) S. Kalischor, Was können wir für den Unterricht und die Erziehung unsrerSchwachbegabten und schwach sinnigen Kinder thun? Berlin 1897.