Druckschrift 
2,2 (1903)
Entstehung
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140
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140 Feilchenfeld,

strebt werden soll, ist, diese schwachsinnigen Kinder zu braven, erwerbs-fähigen Menschen zu machen und sie dazu mit den für einfache Lebens-verhältnisse ausreichenden Kenntnissen und Fertigkeiten zu versehen.Der gesammte Unterricht rauss ein viel weniger umfassender sein als inder Volksschule; es muss weit mehr noch als bei normalen Kinderndurch die Einwirkung auf die Sinne der Schüler zu bilden gesuchtwerden; der Anschauungsunterricht muss daher im Mittelpunkte der ge-sammten Unterweisung dieser Kinder stehen (Reinke). Jede Abstrak-tion muss vermieden werden. Das Vorwärtsschreiten im Unterrichtedarf nur sehr langsam geschehen, weitgehendste individuelle Behandlungmuss ermöglicht werden; daher darf die Schülerzahl in der Klasse nur15 bis 20 betragen, eine Zahl, die von den bestehenden Anstaltenauch vielfach inne gehalten wird. Der Unterricht darf bei häufigemWechsel des Gegenstandes nie länger als 40 Minuten hintereinanderdauern, in den unteren Klassen nur 30 Minuten; die Pausen müssengross sein; die wöchentliche Stundenzahl soll nicht mehr als 2025betragen. In den einzelnen Klassen muss zu gleicher Zeit stets dergleiche Gegenstand gelehrt werden, damit Kinder, die in den verschie-denen Gegenständen verschieden fortschreiten, in diesen den verschiede-nen Klassen zugetheilt werden können. SolcheFachklassen" sindübrigens eine alte Einrichtung und bestanden bis in unser Jahrhunderthinein in den deutschen Gymnasien 1 ), in denen die Schüler, je nachihren Kenntnissen in den einzelnen Fächern ganz verschiedenen Klassenzugetheilt werden konnten.

Auf den Lehrplan näher einzugehen will ich unterlassen, verweisedabei auf die Zusammenstellung von Reinke, welche den Plan aus einerReihe bestehender Schulen bringt. Nur die hervorragende Wichtigkeitdes Handfertigkeitsunterrichtes möhte ich betonen, da gerade durchihn die Kinder für die Bedürfnisse des Lebens besonders gut vorgebildetwerden können, und -die Gelegenheit geboten wird, die bei Schwach-sinnigen so häufige Ungeschicklichkeit zu überwinden. Für Kinder mitSprachgebrechen, die hier sehr oft vorhanden sind, muss sachgemässeBehandlung und Aufsicht in der Schule stattfinden.

An einzelnen Orten hat man zweckmässig die Kinder, um sie vorden erwähnten Schädigungen der sonstigen Umgebung zu schützen, nichtnur zum Unterrichte in der Schule vereinigt, sondern auch zu gemein-samem Spiele, zur geselligen Erholung, zu Ausflügen und zu den Mahl-zeiten (TagesanstaltenV In Leipzig z. B. erhalten die Schüler, welcheeinen weiten Schulweg haben und die, deren Eltern es wünschen, Mittagin der Schule und bleiben den ganzen Tag in derselben. Die Unbe-mittelten erhalten das Mittagessen auf Kosten der Stadt unentgeltlichvon einer städtischen Speiseanstalt geliefert. Jede Portion enthält einendoppelten Fleischantheil, klein geschnitten und unter das Gemüse ge-rührt, so dass es mit dem Löffel gegessen werden kann; jedes Kind

!) Richter, 1. c.