136 Feilchenfeld,
14 (25), scrophulöse Augcnentziinduiigen (fast immer abgelaufen) 10 (9),Sprachstörungen 10 (4), Kopfschmerzen stärkeren Grades (hierbei auchMigräne) 10 (7), Schwachsichtigkeit (abgesehen von der durch scrophu-löse Augenentzündung verursachten) 7 (8), höhere Grade von Brechungs-anomalien der Augen 3 (12), Schielen 4 (7), Herzfehler 2 (6), nervöseSchwerhörigkeit 4 (11), hochgradige Wirbelsäulenverkrümmung 0 (3),veitstanzähnliche Zuckungen 1 (5). Epilepsie 1 (1), Lähmungen 1 (3).Erkrankungen des inneren Auges 1 (1), Tiefstand des oberen Augen-lides 1 (2); ausserdem mehrere Fälle von leichterem Lungenkatarrh,ausgeheilter Knochentuberkulose, ein Fall von ererbter Syphilis und2 Fälle von geistiger Störung.
Die wichtigeren Erkrankungen gruppiren sich in folgender procen-tischer Häufigkeit: innere Krankheiten 76 pCt., Störungen des Nerven-systems 10 pCt., der Nasenathmung 64 pCt., der Sprache 5 pCt.,Herabsetzung des Gehörs 35 pCt., der Sehschärfe 19 pCt. aller unter-suchten Kinder."
Den dritten Grad stellen die Schwachbegabten dar, deren Zahl inden Volkschulen eine sehr beträchtliche ist. Es sind das Kinder, dieAvenig aufmerksam und schwerfällig in ihrer Auffassung sind; ihr Ge-dächtniss ist häufig schwach entwickelt; meist bleiben sie weit hinterihren Altersgenossen zurück, obwohl sie dem Anscheine nach wenig Ab-normes an sich haben. Auch bei ihnen handelt es sich oft um körper-liche Schädigungen und Schwäche nach überstandener Krankheit, umschlechten Ernährungszustand, ungenügenden Schlaf und Ueberanstrengungdurch Beschäftigung ausserhalb der Schule. Besonders letzteres spielthierbei eine grosse Rolle. Dass auf dem Lande die Kinder fast allge-mein und zwar oft in sehr ausgedehntem Maasse mit zur Landarbeitherangezogen werden, ist bekannt, aber über die Thätigkeit der Schul-kinder in den Städten sind erst seit kurzer Zeit sichere Angaben ver-öffentlicht worden. Ich will nur die neuesten Zahlen aus den Gemeinde-Schulen Berlins vom 28. Februar 1898 wiedergeben: Unter den ca.200000 Schülern wurden 25394 Kinder beschäftigt und zwar 17 636 Kna-ben und 7758 Mädchen, davon mehr als 3 Stunden täglich 11091 Kinder(8766 — 2325). Insbesondere waren beschäftigt: mit Austragen vonFrühstück 4595 Kinder (3667 928); mit Austragen von Milch
1886 Kinder (1259 — 627); mit Austragungen von Zeitungen 3669 Kinder(2188 - ■ 1481), mit Austragen von Wäsche 551 Kinder (312 — 239),als Laufburschen, Ablieferer, Boten und Austräger 7409 Kinder (6333— 1076), beim Kegeln 415 Kinder (414 — 1). Dabei sind diese Zahlensicher noch unvollständig, so fehlt z. B. die nicht ganz geringe Zahlder Abend- und Nachtverkäufer auf Strassen etc. und die im Hausbe-triebe Mitbeschäftigten. Dass Kinder, die derartig in Anspruch genom-men werden, und die meist des Morgens von 4 oder 5 Uhr an bis zumSchulbesuche bereits angestrengt thätig waren, nicht den Ansprüchender Schule genügen können, ist leicht zu verstehen.
Die ziffernmässige Feststellung aller Schwachsinnigen und Schwachbe-