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2,2 (1903)
Entstehung
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135
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Speoielle Krankenversorgung für Schüler und Waisen. 135

Hirnrinde, also als angeboren nachzuweisen. Karl Hammarberg 1 )stellte fest, dass in sämmtlichen seiner Beobachtung zu Grunde gelegtenFällen, die alle Hauptgruppen der Idiotie repräsentiren, die psychischenDefecte mit einem Mangel an funetionstüchtigen Nervenzellen in derHirnrinde in Zusammenhang gebracht werden konnten. In sämmtlichenFällen wurde die Rinde in einem gewissen Stadium in ihrer normalenEntwicklung gehemmt. Diese Hemmung kann vom späteren Fötallebenbis ins erste Lebensjahr hinein eintreten und grössere oder kleinereGebiete der Hirnrinde in der Entwicklung zum Stillstande bringen.Diesen verschiedenen Graden der Hemmung entsprechen drei verschie-dene Gruppen von Idioten: 1. Blödsinnige, 2. in hohem Grade, 3. massigSchwachsinnige. Als wichtig bezeichnet Hammarberg, dass unterneun Fällen nur in einem Degeneration der Zellen vorkam, während an-dere Autoren Atrophie, Vacuolenbildung, Pigmentdegeneration anfuhren;sicher sei, dass unentwickelte Zellen in manchen Fällen für atrophischeangesehen würden. Während so also der schwedische Forscher auf Grundseiner Untersuchungen einen erworbenen Schwachsinn auszuschliessen ge-neigt ist, müssen wir doch auf Grund der täglichen Beobachtung prak-tisch einen solchen annehmen, da wir nach bestimmten äusseren Einwir-kungen bis dahin normale Kinder schwachsinnig werden sehen. SolcheVeranlassungen sind schwere Kopfverletzungen, Hirnhautentzündungen,schwere Infectionskrankheiten, Mittelohrerkrankungen, Nasenrachenleiden,auch schlechte und unzweckmässige Ernährung (Alkoholgenuss kleinerKinder 2 ). Dass eine elende Körperbeschaffenheit in Folge ungenügenderErnährimg der Kinder und auch der Eltern in einem wesentlichen ur-sächlichen Zusammenhange mit der Entwickelung des Schwachsinnessteht, beweisen die Zahlen der Schwachsinnigen in den verschiedenenGegenden und den verschiedenen Bevölkcrungsklassen. _ Bei einer dies-bezüglichen Zählung in der Schweiz (1897) wurde gefunden, dass dieland wirtschaftliche und Bergbevölkerung eine relativ weit grössere Zahlstellt als die industrielle und Stadtbevölkerung. Auch die anderen kör-perlichen Ursachen des Schwachsinns wurden häufig bei Schulunter-suchungen festgestellt, so z. B. von Dr. Dillinger 3 ) in Plauen i. V. undvon der Berliner Commission 4 ): körperliche Störungen fanden sich beiden untersuchten Kindern ausserordentlich häufig. Es zeigten 125 Knaben(bezw. 132 Mädchen) folgende Störungen: Scrophulöse Drüsenschwellungen101 (90), Gaumen- oder Rachenmandelvergrösserung 75 (89), abgelaufeneMittelohrentzündung 47 (33), hierbei noch Eiterabsonderung 6 (3), Kropf

1 ) Studien über Klinik und Pathologie der Idiotie nebst Untersuchungen überdie normale Anatomie der Hirnrinde. Upsala 1895, citirt nach Käs. Deutsche med.Wochenschr. 1898. No. 10.

2 ) V. Feilchenfeld, Alkoholgenuss bei Kindern. Veröffentlich, d. Vereinsf. gesundheitsgemässe Erziehung der Jugend. Berlin. C. Kantorowicz 1898.

3 ) Z. f. Behandl. Schw. u. Geb.

4 ) 1. c.