Speeielle Krankenversorgung.
III« Für Schüler und Waisen.
VonDr. W. Feilchenfeld in Charlottenburg.
Seitdem Aerzte und Lehrer sich für die Hygiene der Schule inter-essirten, begann man auch den Kranken innerhalb der Schule Aufmerk-samkeit zuzuwenden. Im Allgemeinen allerdings gehören Kranke amallerwenigsten in die Schulen, aber doch giebt es eine grosse Reihevon Kranken, welche, obwohl nicht völlig gesund, dennoch kaum dauerndvon der Schule ferngehalten werden können. Hierzu gehören vor allemsehr zahlreiche, geistig nicht ganz normale Kinder, von denen man inder Schule 3 verschiedene Gruppen findet, welche eine von einanderabweichende Behandlung orfordern, obwohl die unterscheidenden Merk-male nicht eine scharfe Trennung möglich machen, und obwohl oft genugdie Schwierigkeit, ein Kind dem einen oder dem anderen Grade znzu-theilen, nicht gering ist.
Die tiefste Stufe in der geistigen Entwickelung nehmen die Idiotenein, welche als völlig bildungsunfähig anzusehen sind. So unglaubliches erscheinen muss, dennoch finden wir gar nicht so sehr selten solcheIdioten in unseren Volksschulen. Warner fand unter 50000 Schul-kindern aus 65 Schulen 5 Idioten und noch jüngst fand in Berlin eineCommission 1 ) von 4 Aerzten unter 255 Schulkindern, welche ihnen auseiner Anzahl von 10132 als geistig minderwerthig zur Untersuchungzugewiesen wurden, sogar 11 Idioten! Auch aus anderen Städten wirdAehnliches berichtet, und viel häufiger noch werden sie sich wohl aufdem flachen Lande finden. Es ergiebt sich schon aus dieser Thatsachedie dringende Notwendigkeit, dass alle Schulkinder von Aerzten unter-sucht werden müssen, und so die Schulen von Kranken befreit werden,
1 ) Untersuchung zurückgebliebener Schulkinder von Dr. S. Kalischer, Dr.Moll, Dr. IT. Neumann, Dr. Teichmann. Deutsche med. Wochenschr. 1898.No. 1 und Deutsche Schulzeitung. 1898. No. 2.