Druckschrift 
2,2 (1903)
Entstehung
Seite
62
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62 Pieliclte,

im Bedarfsfälle, d. h. wenn derselbe keine gesetzliche Krankenunterstüt-zung mehr beziehen sollte, wird sogar eine Familienunterstützung imBetrage von 510 M. für die Woche gewährt. Die Behandlung inGütergotz wird bis zur Herstellung der Erwerbsfähigkeit des Versichertenfortgesetzt; ist diese auf Grund der klinischen Beobachtung nicht mehrmöglich, so wird der Patient aus der Anstalt entlassen mit der Em-pfehlung das Rentenverfahren nunmehr einzuleiten. Lungenkranke sindvon der Aufnahme ausgeschlossen; sie werden der Heilanstalt des rothenKreuzes, Grabowsee bei Oranienburg (nur Männer), und der Heilanstaltvon Dr. Weickor in Görbersdorf überwiesen in letzter Zeit auch denAnstalten in Loslau und Andreasberg. Kranke, deren Fürsorge nichtder Versicherungsanstalt Berlin obliegt, also Versicherte anderer Ver-sicherungsanstalten, der Berufsgenossenschaften oder der Eisenbahn-krankenkassen finden unter Umständen gegen eine Entschädigung von3 M. pro Verpflegungstag ebenfalls Aufnahme in Gütergotz.

Das Sanatorium Gütergotz bietet im Winter Raum für 62, imSommer durch Aufstellung von drei Döcker'schen Baracken und Belegungzweier Tagesräume für 94 Pfleglinge und ist mit allen modernen thera-peutischen Hülfsmitteln. auch Zander'schen Apparaten, ausgerüstet. Bis-her haben ca. 1200 Versicherte dort ärztliche Behandlung und Ver-pflegung genossen; die Kosten für die Verpflegung betrugen einschliesslichDiät (1,151,20 M.), Miethe, Gehälter, Kleidung, Wäsche, Familien-unterstützung etc. durchschnittlich 3,603,80 M. pro Verpflegungstag.Das Krankenmaterial besteht hauptsächlich aus Kranken, die an heilbarenchronischen Krankheiten leiden z. B. chronischem Gelenkrheumatismus,chronischen Magengeschwüren und -catarrhen, gutartigen Nervenleiden(Neuralgien und Neurasthenien) etc., und die vielfach bei fehlender oder un-genügender ärztlicher Behandlung in Invalidität und Siechthum zu gerathenpflegen. Die Erfolge der Gütergotzer Anstalt sind bisher zufriedenstellende,auch in pekuniärer Beziehung gewesen, so dass man jetzt mit einer Ver-grösserung und einem Neubau derselben begonnen hat. Das neue Sa-natorium wird in Beelitz errichtet und zwar für eine Zahl A r on circa500 Betten. Es besteht aus vier von einander gesonderten Abtbeilun-gen, zwei für Lungenkranke (Männer und Frauen) und zwei für Nicht-tuberkulöse, wie bisher in Gütergotz, ebenfalls Männer und Frauen. Dieeinzelnen Abtheilungen werden ebenfalls alles Erforderliche enthalten:Liegehallen, ein medikomechanisches Institut, Einrichtungen für alleArten von localen und allgemeinen Bädern etc.

Auch andere Versicherungsanstalten haben schon derartige Heil-stätten für ihre Versicherten errichtet und zwar hauptsächlich für Lun-genkranke, die ja den Hauptprocentsatz der Invalidenrentner bilden.

So besteht in Andreasberg im Harze eine Lungenheilstätte derhanseatischen Versicherungsanstalt, in Königsberg bei Goslar einesolche der Versicherungsanstalt Hannover, in Stiege eine solche derVersicherungsanstalt Braunschweig. Andere Anstalten haben einen Theilihres Vermögens in Form von Hypotheken zur Gründung und Erhaltung