726 G. Meyer,
Vorberathungen begann die Thätigkeit der Rettungsgesellschaft am 25.Februar 1897. Das Personal setzt sich zusammen aus dem Vorsteherder Station, 12 du jour habenden Aerzten, 12 Vertretern, 7 Sanitäts-männern. Die Aerzte müssen sich vor ihrem Diensteintritt einige Zeitmit Chirurgie beschäftigt haben. Sie sind zuerst vertretende, dann erstStationsärzte. Auf der Station sind stets drei Aerzte und fünf Sani-tätsdiener anwesend, von welchen zwei Dienst haben und einer Vertreterist. Ausser diesen Aerzten sind, wie bei der Wiener Gesellschaft Aerzteals Ehrenmitglieder, hier als Mitglieder vorhanden, welche auf Verlangendes Vorstandes bei Unfällen helfend eingreifen. Mit dem Arzt rückenzwei Sanitätsmänner zum Unfall aus. Das Material besteht aus fünfKrankenwagen und acht Pferden. Die Sanitätsdiener werden in ältereund jüngere eingetheilt. Erstere helfen den Aerzten unmittelbar, währenddie jüngeren mehr Handlangerdienste leisten. Die älteren haben in ihrenVerbandtaschen Adei'presse, die jüngeren Kleiderscheere und Lichte.
Die Räume der Gesellschaft waren zuerst sehr einfach. Spätermusste wegen der erhöhten Inanspruchnahme ein besseres Wacht-lokal gewählt werden. Die Station befindet sich jetzt in der Leszno-strasse und ist allen Anforderungen entsprechend ausgestattet, wie esdie Abbildungen auf S. 725 veranschaulichen.
Die Dienstzimmer sind im Erd- und ersten Geschoss untergebracht.Unten befinden sich die Wacht- und Verbandräume, oben das Zimmer derdienstthuenden Aerzte, mit Fernsprechern, den Journalen, Kanzlei etc.Täglich zweimal erhält die Centralstation Meldung von den WarschauerKrankenhäusern über die freistehenden Betten. Auf dem Hofe ist dieWagenremise, wo ständig ein bespannter Rettungswagen in Bereitschaftist. Von den Wagen dienen drei zur Benutzung bei Unfällen, in einemWagen, der mit Blech ausgeschlagen, werden ansteckende Kranke be-fördert, und in einem Wagen in Landauerform bestellte Krankentrans-porte ausgeführt. Die Wagen sind nach Wiener Muster gebaut. Fernersind Räder-, Tragbahren, Sanitätstaschen vorhanden, auch Zwangsjackenund vollständige Ausrüstung für Neugeborene. Entweder erfolgt dieHülfsleistung auf der Stelle oder in der Nähe, oder der Arzt fährt denPatienten nach Haus, Krankenhaus oder auf die Station zur endgültigenBehandlung. Bei einer Eisenbahnkatastrophe 1898 in Tlusz wurden22 Verunglückte in iy 2 Stunden versorgt, nach dem Krankenhaus gebracht,und kurzes Protokoll gefertigt. Auch auf der Wache selbst werden Ver-letzte, welche dorthin kommen, behandelt. Bei grösseren Volksfestenetc. werden fliegende Wachen mit einem Arzt, Sanitätsdiener, Verband-material und Trage hergestellt. Im Verlaufe von lO 1 /, Monaten im erstenJahre des Bestehens wurden 2700 Verunglückten Hülfe geleistet.
Die Gesellschaft hat nach ihren Satzungen den Zweck und die Auf-gabe, allen Denjenigen ärztliche Hülfe angedeihen zu lassen, welche auföffentlicher Strasse oder Platz einen Unfall erleiden, oder welche plötzlicherkranken. Der Unfall muss plötzlich, unerwartet, und die erste Hülfe darfnur eine vorläufige sein. „Der Arzt, welcher zum Unfälle kommt, Süll