Fürsorge auf dem Gebiete des Rettungswesens. 679
handelt" und im Uebrigeri erste Hülfe für „sonstige Bewohner" geleistet.Diese Vereinigung verschiedenartiger Interessen in Orten, die nur derAusübung erster Hülfe und nicht der Weiterbehandlung zu dienen hätten,ist eine von den Unfallstationen geschaffene Neueinrichtung. Aus demersten Bericht der Stationen vom Jahre 1895 ist die Verschiedenheitder Thätigkeit der Unfallstationen von der sonst in Rettungsanstaltengeübten Wirksamkeit ersichtlich.
Es heisst daselbst, sowie in dem Bericht vom Jahre 1896:
„Die Thätigkeit der Aerzte beschränkt sich nicht nur, wie anderwärts, auf pro-visorische Hülfeleistung, der Verletzte erhält vielmehr eine ausreichende chirur-gische Versorgung und kann, wenn der Fall schwer ist, mit den vervollkomm-neten Transporteinrichtungen je nach seinem Wunsche einem Krankenhause, seinerffohnung oder einer der Kliniken der Hauptstationen überwiesen werden".
Es verhandelte bereits am 14. Februar 1894 die Aerztekammer Berlin-Brandenburg über diesen Gegenstand und nahm folgenden Antrag an:
„Die Errichtung von Unfallstationen in Berlin, verbunden mit stationären Kli-niken, wie sie vier Berufsgenossenschaften, und zwar die Brauerei- und Mälzerei-berufsgenossenschalt, die chemische Industrieberufsgenossenschaft, die Spediteur-,Speicherei- undKellereiberufsgenossenschaft und die norddeutsche Holzberufsgenossen-schaft bereits ausgeführt haben und noch weiter auszuführen beabsichtigen, schädigtdie Interessen der Unfallverletzten und des ärztlichen Standes".
In der Discussion des von Weyl am 6. December 1893 in der Ber-liner Mediciniscben Gesellschaft gehaltenen Vortrages: „Berlins Gesund-heit" äusserte ich Folgendes:
„Zu den von Herrn Weyl selbst als verbesserungsfähig bezeichneten gesund-heitlichen Anstalten und Einrichtungen in Berlin möchte ich noch hinzufügen dieSanitätswachen, deren Umgestaltung im Sinne der 1890 vom Aerzteverein vomWest-Verein vorgeschlagenen Abänderungen und Uebernahme seitens der Stadt sehrerwünscht sein dürfte. Die Commission des Vereins, welcher auch ich damals an-gehörte, hatte eine ganze Reihe von Verbesserungen vorgeschlagen, unter anderemdie Einführung von Tag- und Nachtdienst, gleichzeitige Anwesenheit mehrerer Aerzteauf den Wachen, Aufstellung von Unfallmeldern auf den Strassen, ferner das Vor-handensein von Krankenbahren. Bei den letzteren komme ich auf das Kranken-transportwesen in Berlin zu sprechen. Das Krankentransportwesen müsste ent-weder — vielleicht im Anschluss an die Sanitätswachen — in den Händen derstädtischen Verwaltung centralisirt werden, oder in jedem Krankenhause müsste eine,je nach der Anzahl der Betten zu bestimmende Anzahl von Krankenwagen zurKrankenüberführung bereit gehalten werden. Der Krankentransport muss gleichfallskostenlos geschehen, da er jetzt ein wohl nur Wohlhabenden oder Krankenkassen-mitgliedern erreichbarer Luxus ist, während er doch andererseits bei einer ganzenReihe von Erkrankungen — und zwar mit Recht — polizeilich vorgeschrieben ist".
Am 6. März 1894 hielt ich im Aerzteverein von West-Berlin 'denim vorigen Artikel S. 454 erwähnten Vortrag bezüglich Neueinrichtungdes Transportwesens für Kranke und Verunglückte und am 21. October1895 den an gleicher Stelle bereits erwähnten Vortrag: „Ueber den