Druckschrift 
2,1 (1902)
Entstehung
Seite
674
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674 G. Meyer,

wird in den Polizeibureaux, Apotheken, von den Polizeibeamten, Nacht-wächtern und durch Anschläge in den Häusern bekannt gegeben.Zahlung erfolgt bei Bemittelten sogleich oder durch Vermittelung desVereins, während bei Unbemittelten die Kasse des Vereins die Zahlungder Aerzte übernimmt.

Seit 1882 besteht in Berlin ein Samariterverein, welcher mehrmalsim Jahre Curse für erste Hülle veranstaltet. Es wurden zuerst dieBeamten der Feuerwehr, Polizei, Eisenbahn ausgebildet, welche jetztvon ihren zuständigen Aerzten Unterweisung erhalten. Seit 1900 führtder Verein den NamenDeutscher Samariterverein vom Rothen Kreuz,Zweigverein Berlin." Ausserdem werden in vielen anderen VereinigungenCurse in erster Hülfe eingerichtet. Zu erwähnen sind die aus Sports-kreisen begründeten Curse, welche bei Radfahrervereinigungen und Wasser-sportvereinen, ferner solche für Arbeiter, welche von der Centralcommissionder Krankenkassen eingerichtet wurden u. A.

Als Träger des gesammten sanitären Rettungswesens in Berlin sindjetzt die Sanitätswachen, die Unfallstationen vom Rothen Kreuz und dieRettungsgesellschaft thätig. Alle drei Einrichtungen sind privater Naturund verdanken privater ßeihüll'e unter materieller Unterstützung derstädtischen Behörden ihr Fortbestehen.

Die Sanitätswachen wurden nach dem Kriege 1870/71 ins Lebengerufen obwohl bereits, wie oben dargelegt, bei verschiedenen Epi-demien ärztlicher Wachtdienst an bestimmten Stellen eingerichtet warindem dasBerliner Localcomite des Verbandes zur Pflege im Feldeverwundeter und erkrankter Krieger" (jetzt Berliner Verein vom RothenKreuz), um eine Fortsetzung seiner Thätigkeit im Kriege zu bewirken, dieerste Sanitätswache in der Brüderstrasse errichtete. In den nächsten Jahrenwurden weitere AVachen begründet, bis ihre Zahl im Jahre 1894 auf 20angestiegen war. Die Berliner Sanitätswachen haben stets nur Nacht-dienst ausgeübt, um nicht den Aerzten Concurrenz zu machen. Sic hieltenauch trotz mehrfach aus Aerztekreisen gegebenen Anregungen an diesemGrundsatze fest, obwohl sich in der Folge herausstellte, dass dieser beider Zunahme des Verkehrs auf den Strassen und der Thätigkeit in denFabriken auf die Dauer nicht mehr haltbar sei, da die meisten Unfällesich am Tage ereigneten.

Die von Aerzten Berlins mehrfach berathenen Aenderungen diesesVerhältnisses waren ergebnisslos verlaufen, da die Schwierigkeiten derEinrichtung eines ständigen ärztlichen Tages- und Nachtdienstes damalsnicht leicht zu überwinden waren.

Hervorzuheben sind vor allen Dingen die vom Aerzte-Verein vonWest-Berlin herausgegebenenVorschläge zur Reform der bisherigenEinrichtungen für Beschaffung ärztlicher Hülfe bei Unfällen", welche1890 von einer besonderen Commission, welcher auch ich angehörte,verfasst und den ärztlichen Vereinen sowie den zuständigen Behördenübermittelt wurden. Diese Vorschläge, welche weniger bekannt seindürften, sollen hier mitgetheilt werden, damit ersehen werden kann,