Fürsorge auf dem Gebiete des Reltungswesens. 649
Sind letztere Fälle erheblicher Natur, so wird es am bestensein, durch Ziehen der Nothleine den Zug zum Stehen zu bringen, damitdann Hülfe zunächst durch die ausgebildeten Eisenbahnbeamten geleistetwerden kann, falls nicht zufällig ein Arzt im Zuge vorhanden. In an-deren Fällen wird es vielleicht angängig sein, zu warten, bis der Zugeine Haltestelle erreicht, wo dann sachgemässe Hülfe herbeigeschafft werdenkann.
Wichtiger sind die Unfälle, bei welchen das Leben einer grösserenZahl von Menschen bedroht ist, deren Abhülfe auf den fachwissenschaft-lichen Gongressen eingehend besprochen ist. Es gehen nämlich dieAnsichten über die Vorbereitungen zur Hülfe bei Eisenbahnunfällen auchunter den Fachgelehrten selbst, sowohl unter den zuständigen Beamtenals unter den Aerzten, weit auseinander.
Für die Herstellung der Einrichtungen zur ersten Hülfe ist die Zu-nahme der Fahrgeschwindigkeit der Züge wichtig. Strecken von un-geheurer Länge werden in einer Zeit zurückgelegt, deren Kürze noch voreinigen Jahren nicht denkbar erschienen wäre. Den gewaltigen Betriebauf den Deutschen Bahnen veranschaulicht die Statistik von 1899.
Die Länge der Bahnen belief sich auf 49 041 km., 26 272 Signal-und Telegraphcneinricbtungen waren vorhanden, von 9798 Stationenwaren 4283 Bahnhöfe, 3588 Haltestellen, 1932 Haltepunkte. 812,7 Mill.Reisende wurden befördert, welche 18 660,4 Millionen Personenkilometeroder 389 300 auf 1 km zurücklegten. Im gesammten Betriebe warendurchschnittlich 521 760 Beamte und Arbeiter beschäftigt.
Von den Unfällen waren 431 Entgleisungen, von welchen 158 auffreier Strecke sich ereigneten. Ferner geschahen 334 Zusammenstöss,davon 43 auf lreier Strecke. Die Ursachen beider Arten von Unfällenwaren sehr verschiedene. Bei den Zugunfällen wurde ein Reisender ge-tödtet, und wurden 133 Reisende verletzt. Ausser den Zugunfällen fanden2609 sonstige Betriebsunfälle statt, davon 753 auf freier Strecke. Bei sämmt-lichen Unfällen wurden 921 Personen, darunter 67 Reisende, getödtet,2078 Personen (317 Reisende) verletzt. Dies sind auf 1 Million durch-fahrene Zugkilometer 6,50.
Einige Zahlen aus früheren Jahren sollen die Gefahren des Eisen-bahnbetriebes recht deutlich veranschaulichen, um allzu übertriebenenVorstellungen über die Unsicherheit auf der Eisenbahn besonders inDeutschland entgegenzutreten.
Von 1880 bis 1897 ereigneten sich im Jahresdurchschnitt auf1 Million Zugkilometer:
oder im Verhältnisausgedrücktauf den Preussischen Staatseisenbahnen . 10,7 1,00
auf allen Deutschen Bahnen..... 12,4 1,16
auf den Oesterreichisch-Ungarischen Bahnen 13,3 1,24
und auf allen Vereinsbahnen ..... 12,6 1,18
Nach den weiteren Zusammenstellungen von Blume-Philippsburg
Unfälle