Druckschrift 
2,1 (1902)
Entstehung
Seite
638
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638 G. Meyer,

Rettungsleine eine Verbindung mit dem gefährdeten Schiffe herzustellenund dann weiter mit Hülfe verschiedener Geräthschaften die Mannschaftdes Schiffes an Land zu bringen. Auch seitens des Rettungsbootes wirdfalls es nicht wegen hohen Seeganges an das Schiff herankommen kannversucht' die Verbindungsleine auf das Schiff hinüberzuschiessen. Die inden einzelnen Ländern hierfür vorhandenen Apparate sind im Allgemeineneinander ziemlich ähnlich. Nur haben sich einzelne Verschiedenheitenmit der Zeit herausgebildet. Vorhanden sind jetzt Gesellschaften zurRettung Schiffbrüchiger in Europa in Deutschland, Dänemark, EnglandFrankreich. Norwegen, Schweden, Russland, Türkei, Spanien, ferner inden Vereinigten Staaten von Nordamerika, Japan. Die den Dienst ver-sehenden Mannschaften sind in der Leistung der ersten Hülfe ausgebildet.

Folgende wichtigere Gesellschaften zur Rettung Schiffbrüchiger ein-zelner Länder sind zu erwähnen:

Die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger.Siehat die allseitige Beförderung des Rettungswesens an den DeutschenKüsten der Nord- und Ostsee zu ihrer Aufgabe." Am 2. März 1861 con-stituirte sich der erste Verein zur Rettung Schiffbrüchiger in Deutschlandin Emden, 1863 bildete sich der Bremische Verein mit gleichem Ziel.und am 29. Mai 1865 wurde die Deutsche Gesellschaft begründet. Seitihrer Errichtung wurden 2817 Personen gerettet. Von diesen wurden2414 in 424 Strandungsfällen durch Boote, 403 in 80 Strandungsfällendurch Raketenapparate geborgen. Im Rechnungsjahre 1900/01 warendie Stationen 14mal mit Erfolg thätig und retteten 100 Menschenlebendurch Boote aus Seenoth. Eine besondere Stiftung der Gesellschaft, dieLaeisz-Stiftung, besitzt ein Capital von 131 100 Mk. Die Zinsenwerden zur Vertheilung von Diplomen, Medaillen oder Geld als Be-lohnung von Rettungen verwendet. Im letzten Jahre wurden für dieRettung von 235 Menschen Preise vertheilt. Seit ihrer Begründung hatdie Gesellschaft rund 7 280 000 Mk. Einnahmen gehabt und hat jetztrund 53 500 Mitglieder, deren Jahresbeiträge 150 000 Mk. betragen. ImGanzen sind 120 Rettungsstationen vorhanden, 76 an der Ostsee und 44an der Nordsee. 54 sind Doppelstationen, ausgerüstet mit Boot undRaketenapparat, 50 Boots- und 16 Raketenstationen.

Die Stationen haben zum Theil Fernsprechverbindungen. Die Ge-sellschaft hat im ganzen Reiche Zweigvereine, denen als Bezirksvereinendie Sammlung von Geldmitteln obliegt.

Die Dänische Gesellschaft, welche vom Ministerium des Innern inKopenhagen ressortirt, begann ihre Thätigkeit am 20. April 1851. Eswaren Ende 1897 an der Westküste Dänemarks nur an dieser be-stehen Rettungsstationen und' den Inseln 49 Rettungsboote vorhanden.Die Zahl der Stationen beträgt im Ganzen 57, von welchen 12 nur mitBooten, 9 nur mit Raketenapparaten ausgerüstet sind. Vom 1. Januar 1852bis 31. März 1897 wurden 6615 Personen von 875 Schiffen gerettet.Die Küstenbevölkerung und Fischer retteten ausserdem 460 Menschen.Die Mittel der Gesellschaft, welche durch freiwillige Beiträge aufgebracht