Fürsorge auf dem Gebiete des Rettungswesens. 619
Dingen ausgerüstet von dem Krankenhause oder der Rettungswache sichzu einem Kranken begeben. Natürlich sind bei einem organisirtcnRettungsdienst noch weitere Vorkehrungen bereitzustellen, welche dergerufene Arzt ausserhalb der Wache benutzen kann. Hierher gehörenVerbandtaschen, -Beutel oder -Kästen, welche mit den nothwendigstenGegenständen für eine erste Hülfe bei Verunglückungen und plötzlichenErkrankungen versehen sind. Ich selbst habe vor mehreren Jahren einenKasten für erste ärztliche Hülfe angegeben und habe an dieser Stellenoch einen von v. Oettingen, Assistenten an der chirurgischen Universi-tätsklinik zu Berlin, zusammengestellten Kasten zu erwähnen, welchergleichfalls zum Mitnehmen für den Arzt ausserhalb des Hauses oder einerAnstalt bestimmt ist. In diesem Kasten ist in recht glücklicher Weisedie gesammte Ausrüstung ohne weitere durch Zwischenwände hergestellteTrennung untergebracht. In einen grösseren Metall behälter sind zunächstzwei Metallkästen eingestellt, von welchen der eine sterilisirte Verband-stoffe in reichlicher Menge enthält, während der andere die für ersteHülfsleistungen erforderlichen Gegenstände, wie Mundsperrer, Geräthezur Narkose, Blutstillung, Unterhautspritze u. s. w. birgt. Unter demeinen Kasten befindet sich ein umfangreiches chirurgisches Besteck,während die beiden grossen Kästen durch einen runden Behälter fürsterile Tupfer festgehalten werden. Zur Befestigung dienen um denrunden Behälter umgelegte dreieckige Tücher, so dass diese Gegenständesich ohne ^weitere Eintheilung im Kasten einbringen lassen. Nur imVordertheil ist in ganzer Länge des Kastens ein schmaler herausnehm-barer Einsatz vorhanden, welcher zwei Flaschen sowie einige andere Ver-bandgegenstände, Gazebinden, Sublimatpastillen enthält. In diesen beidenFlaschen sind Chloroform und Aether enthalten, sonst sind alle Flaschenfür Flüssigkeiten fortgelassen, da dieselben beim Transport des KastensSchwierigkeiten bedingen können. Nach v. Bergmann sind Flaschenmit Flüssigkeiten so viel als möglich vom Inhalte mitnehmbarer Kästenund Taschen mit Recht auszuschliessen.
Bei der technischen Ausrüstung der Wachen bezw. der wachthaben-den Aerzte ist noch die Hülfe bei Vergiftungen zu berücksichtigen. Fürdiesen Zweck sind in einzelnen Städten ganz brauchbare Geräthschaftenvorhanden. Wohl der vollständigste Apparat ist von Liebreich aufmeine Veranlassung für die Berliner Rettungsgesellschaft für die inter-nationale Ausstellung für Feuerschutz in Berlin 1901 zusammengestelltworden. Liebreich hat zwei Behältnisse vorgesehen, von welchen daseine die Geräthschaften für Hülle bei Vergiftungen, das zweite die er-forderlichen Medicamente und chemischen Stoffe in übersichtlicher Weisein sich birgt.
Die örtliche Anästhesie hat gleichfalls für die erste Hülfe Bedeutungerlangt. Durch ihre Anwendung wird in vielen Fällen die Benutzungvon Chloroform, welches häufig nicht zur Anwendung gezogen werdenkann, und auch für Personen, welche nach der ersten Versorgungsich wieder bald von der Verbandstelle fortbegeben sollen, nicht