Fürsorge auf dem Gebiete des Rettungswesens. 615
Hosenträger oder in neuerer Zeit einen elastischen Hosenhalter, welcherauch gleichzeitig den Zweck verfolgen soll, als Umschnürungsmaterial beiBlutungen an den Gliedmaassen zu dienen. Ich kann mich mit dieserAnwendung nicht sehr einverstanden erklären, schon aus dem Grunde,weil Geräthschaften, welche gleichzeitig mehreren verschiedenen Zweckendienen sollen, nicht empfehlenswert sind, und ferner, weil ich nichto-laube, dass man im Zimmer oder auf der Strasse den Halter seinerBeinkleider so ohne Weiteres wird entbehren können.
Es erscheint nicht unangebracht, an diese Erörterungen noch einigeBemerkungen zur Technik der ersten Hülfe überhaupt anzuschliessen.Bereits oben hatten wir dargelegt, dass nur eine vorläufige Nothhülfevom Arzte geleistet werden solle. Hiernach wird auch das Inventar derbetreffenden Einrichtungen, von welchen her der Arzt zur Hülfe herbei-geholt wird, sich richten. Denn wenn er nicht in einem Krankenhausesich aufhält, wo alle erdenkbaren Einrichtungen für die Behandlung Ver-letzter vorhanden sind, so wird er sich an einer Stelle zur Hülfsbereit-schaft befinden, welche sonst für die Leistung der ersten Hülfe in Be-tracht zu kommen hat, und das sind die Einrichtungen für erste Hülfe,welche entweder bei den Feuerwehren oder der Polizei etc. untergebrachtsind, also in besonderen, für diesen sanitären Rettungsdienst vorge-sehenen Räumen oder in eigenen nur diesem Zweck dienenden Räumen,für Avelche ich wohl als erster den gut Deutschen Namen „Rettungswache"vorgeschlagen habe. Alle anderen sonst vorhandenen Namen sind theil-weise Fremdworte, oder sie enthalten nicht genau die Bezeichnung ihresZweckes. Zu meiner Befriedigung hat nicht nur die Berliner Rettungs-gesellschaft, sondern auch die Gesellschaften in Frankfurt a. M., Stettindiesen Namen angenommen. Die besondere Einrichtung dieser Wachensowie aller sonst für den Rettungsdienst erforderlichen Geräthschaftenwird später erörtert werden.
Unverkennbar hat die sociale Gesetzgebung bedeutenden Einfluss aufdie Ausgestaltung des Rettungswesens gehabt, wie oben bei der Wirk-samkeit der Berufsgenossenschaften dargelegt worden ist, welche aller-dings mehr die Verhütung der Unfälle in den Betrieben sich angelegensein lassen. Aber allein entscheidend für die Ausbreitung des Rettungs-wesens und die Anerkennung von dessen Wichtigkeit ist sie nicht gewesen.
Von grossem Einflüsse für die Entwicklung von Organisationen fürerste Hülfe waren ausserdem die Fortschritte auf dem Gebiete derMedicin, imBesonderen der Chirurgie. Die Entdeckung des Chloroforms, die künstlicheBlutleere, die Einführung der Antisepsis und Asepsis sowie der örtlichenAnästhesie trugen nicht wenig dazu bei, die Leistung der ersten Hülfe inandere Bahnen zu lenken. Ferner war schon 1882 z. B. in Leipzig bei Be-gründung des dortigen Samaritervereins auch die Einrichtung von Sanitäts-wachen mit ärztlichem Tages- und Nachtdienst bewerkstelligt worden.
Die Darstellung des Chloroforms zeigte ihre Wirkung bei zahlreichenEingriffen auf dem Gebiete der ersten Hülfe, welche vorher wegen derdamit verbundenen Schmerzen nicht oder nur schwierig auszuführen ge-