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wesen waren. Unter Anwendung der künstlichen Blutleere konnten nunOperationen ausgeführt werden, deren Vornahme früher einfach unmög-lich gewesen. Entscheidend war aber die Einführung der Antisepsis undspäter der Asepsis, mit deren Hülfe jetzt Wunden, die bereits durch dieEinwirkung der erregenden Gewalt inficirt waren, wieder gereinigt undzur Heilung gebracht werden können. Sehr angreifbar ist daher dervon dem Vertreter der Berliner Unfallstationen in einem 1894 auf deminternationalen Hygienecongress in Budapest gehaltenen Vortrage aufge-stellte Satz: „Ist durch unzweckmässige Maassnahmen und vorgekommeneVerunreinigung eine Infection der Wunde erfoJgt, so wird es später unmög-lich, die Infectionsträger wieder zu entfernen". »
Man hat vielfach gestritten, ob der erste vorläufige Verbandanti- oder aseptisch angelegt werden sollte. Man wird wohl den anti-septischen Verbänden aus dem Grunde häufig den Vorzug geben, weilVerletzungen, welche durch Werkzeuge, Maschinengewalt oder durchUeberfahren hervorgerufen werden, keine reinen Wunden sind, wie siedurch eine aseptische Operation gesetzt werden, sondern solche, welchemeistens Infectionsträger enthalten, deren Wirkung durch den antisepti-schen Verband aufgehoben oder gemindert werden kann. Natürlich ist dieUmgebung der Wunden nach Möglichkeit aseptisch zu machen, um zu ver-hüten, dass von da noch neue Keime in die Wunde übertreten, aber imUebrigen wird man mit antiseptischem Verbände auskommen können.Es kann auch wohl ein antiseptisch angelegter vorläufiger Verband längerliegen bleiben, als ein aseptisch ausgeführter, wenngleich für beide Artender Grundsatz gilt, dass sie nach kürzerer Zeit erneuert werden müssen,um dem endgültigen Verbände Platz zu machen. In einer Anzahl vonFällen kleinerer Verletzungen wird sich natürlich der vorläufige Verbandvon einem endgültigen kaum unterscheiden.
Für die Anwendung der Antisepsis beim ersten Verbände sprichtferner das beim Heere benutzte Verfahren des ersten Verbandes auf demSchlachtfelde, welcher bis jetzt antiseptisch ausgeführt wird. Oharasin Wien giebt gleichfalls dem letzteren den Vorzug.
Für den ersten vorläufigen Verband können Verbandpäckchen be-nutzt werden, von welchen zahlreiche Abarten jetzt vorliegen. BeimHeere hat jeder Soldat ein solches Päckchen im Rockfutter eingenäht. Beiden einzelnen Nationen ist das gebrauchte Modell verschieden. Für dieerste Hülfe im Frieden sind andere Ansprüche zu stellen als im Kriege,und daher weichen auch die hierfür angegebenen Päckchen erheblichvon jenen ab. Gemeinsam ist bei allen erstrebt, auf möglichst kleinemRäume ein zweckmässiges Verbandmaterial für einen vorläufigen Verbandzusammenzubringen. Meistens besteht der Inhalt aus einem Stoff,welcher auf die Wunde direct gelegt wird, ferner aus einem zweiten zurBedeckung dieses, einer Binde und Befestigungsnadeln. Das Ganze istmit einer wasserdichten Umhüllung versehen, welche vielfach auch alszweiter Bedeckunesstoff benutzt wird. Man hat verschiedene Befesti-