614 G. Meyer,
wird der Arzt verhältnissmässig viel häufiger nach ausserhalb vonder Station gerufen als da, wo mehrere oder viele Wachen errichtet sind,welche für die Patienten selbst dann leichter erreichbar sind, so dasssie die Stationen aufsuchen. Das gleiche Verhältniss besteht für denTransport der Verunglückten. Rückt der Rettungsarzt im Wagen aus— also meistens in Orten mit einer Oentralrettungswache — so über-nimmt oder veranlasst er nöthigenfalls auch die Beförderung des Ver-letzten in dessen Wohnung oder ins Krankenhaus in dem mitgebrachtenRettungswagen. Sind aber mehrere Krankentransportstationen vorhanden,wie z. B. bei der Berliner Rettungsgesellschaft, so können die Wagensehr häufig schneller an die einzelnen Punkte des ausgedehnten Stadt-gebietes gelangen, wenn sie durch Vermittlung der Centrale nach dergewünschten Stelle dirigirt werden, während der Arzt sich selbstauf schnellstem Wege zur Unfallstelle begiebt. Es bedingt also die Ver-schiedenheit jeder Organisation andere Maassnahmen, so dass nicht einSchema als allein richtiges aufzustellen ist, sondern nur allgemeine Grund-züge anzugeben sind.
Wird ein Arzt in einem Ort mit mehreren Rettungswachen zu einemPatienten zur ersten Hülfe gerufen, ohne zu wissen, wie dies häufig derFall ist, aus welchem Grunde seine Hülfe erbeten wird, so kann er ge-wöhnlich bei grösserer Entfernung öffentliche Fuhrwerke benutzen,welche Tag und Nacht in den Städten zur Verfügung stehen, und aucham besten eine kleinere Tasche mitnehmen, in welcher die notwendigstenBehelfsmittel für erste Hülfe bei innerlichen Erkrankungen und Ver-letzungen vorgesehen sind. Solche Taschen von der Form kleiner Leder-koffer machen äusserlich keinen unangenehmen Eindruck, sind schnell zuergreifen und enthalten wenigstens so viel Dinge, dass der helfende Arztdie ersten Schritte einleiten und während dieser Zeit nach weiteren not-wendig erscheinenden Dingen aussenden kann. Hat der Arzt Hülfsmittel,was für den Rettungsarzt wohl stets zweckmässig ist, nicht bei der Hand,so muss er aus der nächsten Apotheke, welche heutzutage in denmeisten Städten zahlreich vorhanden sind, schnell erforderliche Mittel undauch Verbandstoffe zu erhalten suchen.
Ich erachte es für empfehlenswerth, dass jeder Arzt stets so aus-gerüstet ist, dass er kleinere Nothverbände ohne Weiteres an jedemOrte anlegen kann. Dies hebe ich hervor, da heute nicht mehr die Sitte zubestehen scheint, dass jeder Arzt stets mit einem Taschenbesteck versehenist. Hat er ausser diesem ein Verbandpäckchen, das leicht unterzubringen,bei sich, so ist er bereits für einen Theil von Fällen etwas gerüstet. Es istauch für die allgemeine Praxis beepaem, diese Dinge stets zuführen, umnothwendige Verbände oder Nähte sofort anzulegen und dann die Patientenspäter weiter zu behandeln. Diese Ausrüstung des Arztes ist so leicht in denTaschen der Kleidung aufzubewahren, dass sie nicht im Geringsten auffälligist. Ausserdem ist es leicht, in der Tasche einen Behälter mit Sublimat-pastillen, welcher aus verschiedenem Material, wieHartgummi, Celluloid, her-gestellt sein kann, mitzunehmen. Esmarch empfahl noch einen elastischen