Druckschrift 
2,1 (1902)
Entstehung
Seite
595
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Fürsorge auf dem Gebiete des Rettungswesens. 595

Der Präsident ertheilt dann dem Herrn Referenten für die ersten Hülfeleistungen,Chefohirurgen der Gesellschaft, Prof. Dr. v. Mosetig, das Wort:

Ich müsste in meinem Referate eigentlich über drei Punkte sprechen: 1.Ueberdie Wahl der Aerzte", 2.über die Wahl und die Installation der Rettungsstationen"und 3.über das Reglement des ganzen Dienstes".

Die zwei letzten Punkte kann ich jetzt nicht erörtern, da mir hierzu noch jedepositive Basis abgeht, nämlich die Beschlüsse der Enquete mit den Behörden; ichmuss mich daher heute beschränken, nur aivf den äusserst wichtigen Punkt der Wahlder Aerzte näher einzugehen.

Die mir damit gestellte Aufgabe war keine ganz leichte, indem ich aus dergrossen Anzahl der in Wien ansässigen P. T. Herren Aerzte insbesonders jene aus-suchen musste, welche sich mehr oder minder mit Chirurgie befassen,und unter diesen wieder alle jene nicht in Betracht ziehen konnte, welche durchanderweitige Berufspflichten oder Aemter so sehr in ihrer Zeit beschränktsind, dass sie Obliegenheiten, wie sie der Rettungsdieust mit sich bringen muss, un-möglich zu übernehmen im Stande sein könnten. Ich musste daher, wenn auch oft-mals mit Bedauern, nicht in Antrag stellen:

a) Alle Herren Polizeibezirksärzte und andere amtliche Sanitätspersonen, d. h.Stadt- und Armenärzte;

b) Alle Spitalärzte.

Von letzteren rechne ich dennoch auf einige der jüngeren Herren Collegen, undhoffe, diese, wenn ihre Dienstzeit im Spitale beendet und sie die Kranken-häuser verlassen haben werden, für unsere Ziele zu gewinnen, falls sie überhaupt inder Haupt- und Residenzstadt Wien verbleiben sollten.

c) Alle in Wien stationirten P. T. Herren Militärärzte durfte ich aus begreif-lichen Gründen auch nicht in Vorschlag bringen.

Ich berechnete nun für je 5000 Einwohner Wiens einen Arzt und stellte dem-nach in den Listen 175 Aerzte auf, welche möglichst auf die verschiedenen Bezirkevertheilt sind. Ganz gleichmässig konnte die Vertheilung auch nicht gemacht werden,weil die verschiedenen Bezirke nicht der Populationsziffer entsprechend mit Aerztenversorgt erscheinen. Ich that aber mein Möglichstes, um in allen Bezirken, undzweckmässig vertheilt, Aerzte für den freiwilligen Rettungsdienst seiner Zeit fixirenzu können.

Von den Listen, welche ich jetzt zusammengestellt habe, dürfte es freilichheissen, sie wären fictiv und die Aerzte stünden da nur am Papier. Vorderhand istdies auch richtig, doch haben sehr viele Herren Collegen schon ihre Mithülfe mir unddem Herrn Schriftführer zugesagt. Auch zweifle ich keinen Augenblick, dass fast allegenannten Aerzte der Bitte des Präsdiums der Gesellschaft nicht aus dem Wegegehen, sondern gerne diese Gelegenheit ergreifen werden, um ihre so oft erprobteund bestätigte Opferwilligkeit im Dienste der leidenden Menschheit neuerdings kundzu thun.

Die Berechnung von einem Arzte auf 5000 Einwohner erscheint vielleicht einezu grosse, wenn man aber erwägt, dass der Arzt der freiwilligen Rettungs-Gesell-schaft nicht seine ganze Zeit opfern kann und dennoch Tag und Nacht der Dienstder Aerzte, und zwar bei der Feuerwehr, der Wasserwehr und der ersten Hülfeleistungvon Fall zu Fall eingeführt werden muss, so dürfte die Zahl von 175 Aezten für diezehn Bezirke Wiens und für ausserordentliche Fälle oder Zeiten nicht allzu hochgegriffen sein.

Von hohem Interesse ist es sicherlich, aus der ersten Nummer diesergenannten Monatsblätter die Aufgaben der Gesellschaft nach den An-

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