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ßettungsgesellschaft wurde. Wie grosse elementare oder andereEreignisse Umwälzungen oder Neueinrichtungen auf verschiedenen Ge-bieten zur Folge haben, besonders wenn sich dabei die Unzulänglichkeitbestehender Einrichtungen zeigt, so schreibt sich seit jener Zeit eineneue Phase für das Rettungswesen her, indem sich bei diesem gewaltigenUnglück deutlich erwies, dass die in Wien vorhandenen Vorkehrungennicht annähernd ausreichten, um für eine grosse Zahl von Verunglückteneine zweckmässige Versorgung zu bieten. Die Einrichtungen der Gesell-schaft wirkten in der Folge nicht nur in Oesterreich-Ungarn, wo in zahl-reichen Städten in der Folge ähnliehe Vorkehrungen geschaffen wurden,sondern auch im Auslande vorbildlich, da durch jene Katastrophe nahe-gelegt wurde, auch an anderen Orten Vorsorgen zu treffen, um für ähn-liche Fälle wenigstens einigermaassen gerüstet zu sein.
Bei den oben dargelegten Einrichtungen der 1803 in Wien begrün-deten Rettungsanstalten zeigt sich zum ersten Mal eine Verbindung vonbehördlichen Maassnahmen und materieller Unterstützung von Privat-wohlthätern. Denn die ersten organisirten Vorkehrungen, welche wiranfangs betrachtet, waren solche behördlicher Natur, mit Ausnahmeder Royal Humane Society, welche als eine durch Privatwohlthätigkeit• allein erhaltene Gesellschaft anzusehen ist.
Aus der Begründungsgeschichte der Wiener Freiwilligen Rettungs-gesellschaft, welche nicht allgemein bekannt, aber gerade in jetzigerZeit besonders interessant sein dürfte, wo eine Regelung des Rettungs-wesens in den Städten Deutschlands bevorsteht, ist zu ersehen, dassder Schwerpunkt der gesammten Thätigkeit der Gesellschaft auf die Mit-wirkung der Aerzte gelegt wurde. Dies ergiebt sich unter Anderem ausMittheilungen in den Monatsblättern der Gesellschaft, in deren erstemlängst vergriffenen Jahrgang folgender Aufsatz sich befindet, welcher amdeutlichsten zeigt, dass die Gesellschaft vor allen Dingen im Einver-nehmen mit der Wiener Aerzteschaft vorzugehen trachtete:
Die Versammlung und Besprechung mit den P. T. praktischen Herren Aerztenvon Wien.
Das wichtigste Element, wenn man das Helfen oder Retten, das Lindern vonSchmerzen," das Verhüten von grösseren Uebeln, das Beistehen in Qualen aller Art,ja selbst das Erleichtern des Dahinsinkenden und Sterbenden Ernst nimmt ist —der Arzt.
Eine Rettungsgesellschaft oder ein Hülfsverein ohne Aerzte und Sanitäts-Mann-schaften bleibt auch, wenn dieselbe übermächtig financirt und mit dem besten undreichsten Sanitätsmateriale ausgerüstet wäre, eine todtgeborene Institution. Darumwar es bei der Errichtung die erste Obsorge unseres Präsidiums und Actions-Comites, die P. T. Herren Aerzte der Stadt Wien bittlich anzugehen und um ihrenEintritt zu unserer Gesellschaft anzusuchen. Schon in der ersten Sitzung desActions-Comites nach Verlauf von kaum einem Monat nach Constituirung der Gesell-schaft haben wir an die Acquisition von Aerzten gedacht.
Wir wiederholen aus dem Protokolle vom 10. Jänner 1882 wörtlich, was dar-über vorkömmt: