Druckschrift 
2,1 (1902)
Entstehung
Seite
591
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Fürsorge auf dem Gebiete des Rettungswesens. 591

Darauf ist folgende Antwort eingegangen:

Kiel, den 13. Juni 1882.

Der verehrliche Central-Ausschuss der Berliner ärztlichen Bezirksvereine hatmir durch Schreiben vom 6. Juni d. J. seine ernsten Bedenken gegen die von mirin's Leben gerufenen Samariter-Vereine zu erkennen gegeben und die Hoffnung aus-gesprochen, dass die Statuten der Vereine in entsprechender Weise verändert werdenund namentlich auch von der Ablegung eines Examens und von der Ertheilung einerBescheinigung über den Ausfall desselben werde Abstand genommen werden.

Der verehrliche Ausschuss spricht die Befürchtung aus, dass aus dem Samariter-thum schliesslich nur eine neue Vermehrung des Pfuscherwesens entstehen und dassdas Samariterwesen anstatt eine Förderung .des öffentlichen Wohles nur eineschwere Schädigung desselben bedingen werde.

Diese Befürchtungen scheinen mir aus einer ungenügenden Kenntniss der Zweckeund Bestrebungen des Samariter-Vereins hervorgegangen zu sein und ich vermagdieselben in keiner Weise zu theilen.

Ich erlaube mir daher, Ihnen beifolgende Schriftstücke zu übersenden und bitte,dieselben einer genaueren Durchsicht zu unterwerfen.

Sie werden daraus ersehen, dass es sich hier nicht handelt um eine Behandlungvon Kranken oder Verletzten an Stelle eines Arztes, sondern einzig und allein umdie dringend nothwendige erste Hülfe bei plötzlichen, lebensgefährlichen Unglücks-fällen, wenn kein Arzt da ist, und bis der Arzt kommt.

Ich habe in den hierbei übersandten Vorträgen, welche ich alsLeitfaden fürSamariterschulen" drucken Hess, bei der Schilderung jeder Art von Unglücksfällenes immer nachdrücklich betont, dass man zuerst und vor Allem ärztliche Hülfe herbei-rufen müsse, und nur gezeigt, welche Maassregeln bis zur Ankunft des Arzteszu treffen seien, damit nicht unterdessen der Verunglückte weiteren Schaden erleideoder sein Leben verliere.

Ich habe überall, wo es mir nöthig schien, vorangestellt, welche Hülfs-leistungen als schädlich zu unterlassen seien, weil die tägliche Erfahrunglehrt, dass von Laien sehr oft die allerunzweckmässigsten Mittel angewendet werden,deren schädliche Wirkungen nachher durch ärztliche Hülfe gar nicht wieder gutgemacht werden können.

Es ist, meiner Ansicht nach, gerade die Unkenntniss der einfachsten anatomi-schen und physiologischen Verhältnisse, welche in solchen Fäulen den grösstenSchaden anrichtet, und habe ich mich deshalb bemüht, in meiner ersten Vorlesungmeinen Zuhörern eine solche Kenntniss beizubringen.

Auch ist es wohl eine allgemein bekannte Thatsache, dass der Laie, je grösserseine Unwissenheit in solchen Dingen ist, desto mehr dazu neigt, sich und die Sei-nigen Pfuschern und Quacksalbern anzuvertrauen und so ist gewiss die Annahmegerechtfertigt, dass durch die Verbreitung von solchen Kenntnissen, welche eigentlichschon in der Schule gelehrt werden sollten, dem Pfuscherthum am besten Ab-bruch gethan werde.

Was endlich das mit den Schülern auf Wunsch anzustellende Examen und dieErtheilung einer Bescheinigung im Falle des Bestehens desselben anbetrifft, so istdamit zweierlei beabsichtigt:

1. soll dasselbe dem Samariterschüler, welcher nachgewiesen hat, dass er sichdie nöthigen Kenntnisse derersten Hülfe" erworben, den Zutritt erleichtern zu Ver-unglückten, welche etwa von Neugierigen umdrängt sind, die keine Hülfe anzuwendenverstehen, oder dieselbe, wie so oft, in unzweckmässigster Weise anzuwenden sichbemühen: