Fürsorge auf dem Gebiete des Rettungswesens. 589
diesem Grunde sind auch ärztliche Vereine ohne Weiteres bei ihrem Ein-tritt Ehrenvereine des Bundes. Diese Betonung der Bedeutung der ärzt-lichen Thätigkeit und Beaufsichtigung für das Rettungs- und Samariter-wesen ist nicht ohne Absicht geschehen und nicht ohne Bedeutung ge-blieben. Es beweisen dies die Verhandlungen im Schoosse der ärztlichenVereinigungen. Es ist ja bekannt, dass besonders in Berlin sich einheftiger Widerstand gegen das Samariterthum, wie es seinerzeit vonBsmarch empfohlen wurde, unter den Aerzten geltend machte, so dassder hier gleich nach Entstehen des Kieler Samaritervereins begründeteSamariter verein heftige Angriffe erfuhr. Auch in anderen Städten, z. B.in Leipzig, wo der Samariterverein durch die Thatkraft seines Begründerssogleich die weiteren Ziele, nämlich die Errichtung von Sanitätswachenmit Tages- und Nachtdienst betrieb, also bevor die socialen Gesetze imReiche erlassen waren, ist von Anbeginn an das Hauptgewicht auf dieärztliche Leitung der technischen Angelegenheiten des Rettungs- undSamariterwesens gelegt worden. Und trotzdem hatte auch dieser Vereinlange Zeit mit dem Widerstände der Aerzte zu kämpfen, bis vor mehrerenJahren auch in Leipzig die Erkenntniss sich Bahn brach, dass das unterärztlicher Leitung stehende Rettungswesen nur zum Segen aller Be-theiligten wirken kann, wenn dabei die berechtigten Interessen allerFactoren berücksichtigt werden, wie das in Leipzig und auch seit dieserZeit in anderen Städten der Fall ist. Wir werden aus der Darlegungder besonderen "Verhältnisse ersehen, in welchem Maasse dies in deneinzelnen Städten geschieht.
Es ist von Interesse, die in Berlin von Seiten der Aerzte bezw.deren Standesvertretung geführten Erörterungen durchzusehen, um denUmschwung der Ansichten, welcher sich seit jener Zeit vollzogen, zuerkennen.
Der Oentralausschuss der ärztlichen Bezirksvereine in Berlin ver-handelte im Jahre 1882 eingehend über die Einrichtung der von Esmarchvorgeschlagenen Samariterschulen. Es mögen die bezüglichen Verhand-lungen im Wortlaut hier Platz finden:
Verhandlungen des Central-Aussohusses der ärztlichen Bezirks-vereine zu Berlin über Esmarch's Samariterschulen.
Nachdem in einzelnen Bezirks vereinen über Esmarch's Samariterschulenbereits eingehend discutirt worden war, hatte der Central-Ausschuss am 2. Juli er.Veranlassung, sich ebenfalls mit dieser Angelegenheit zu beschäftigen. Ohne sachlicheMeinungsverschiedenheiten beschloss derselbe, folgenden Brief an Herrn Esmarchabzuschicken:
Hochgeehrter Herr!
In seiner Sitzung d. d. 2. Juni a. c. hat der unterzeichnete Central-Ausschussder Berliner ärztlichen Bezirksvereine, in Gemässheit eines ihm vorgelegten Special-antrags, das neuerdings in's Leben getretene Samariterwesen zum Gegenstand seinerBesprechung gemacht, und beehrt sich, in Nachfolgendem Euer Hochwohlgeborendie ernsten Bedenken gegen die Sache darzulegen, wie solche gleichmässig vonsämmtlichen Mitgliedern der Versammlung getheilt wurden:
Ob die Bereithaltung besonderer Hülfs-Vorrichtungen für plötzliche Unglücks-