Druckschrift 
2,1 (1902)
Entstehung
Seite
584
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584 G. Meyer.

hier eingeführt werden, so müsste er von Aerzten ertheilt werden, unddann gleichzeitig der Bau und die Functionen des Körpers zur Erörte-rung gelangen. Zweckmässig liesse sich hiermit auch ein allgemeinerUnterricht in der Hygiene verbinden, so dass schon frühzeitig die Schülerauf viele vermeidbare Schädlichkeiten aufmerksam gemacht würden. Esist empfehJenswerth, diese Unterweisung mit den Functionen der Schul-ärzte zu vereinigen.

Der Unterricht in der Gesundheitslehre kann unschwer stets mitder Unterweisung in der ersten Hülfe verbunden werden, wobei natürlichdie Fassungsgabe der jedesmal in einem Curse vorhandenen Theilnehmerzu berücksichtigen sein wird. Auch aus diesem Grunde ist es ange-zeigt, in einem Curse möglichst Personen von einer gemeinsamenBildungsstufe zu vereinigen, welche also auch möglichst einer Berufsartangehören, damit man jedesmal den Unterricht dem Verständniss derbetreffenden Zuhörer anpassen kann. Auf diese Weise ist es möglich,den Samariterunterricht zu einem wichtigen socialen Hülfsmittel zu ge-stalten, welches berufen ist, manche Schädlichkeiten zu verhüten undauch gesundheitliche Lehren in weite Kreise des Volkes zu tragen.Die veredelnde Wirkung, welche die Hinlenkung des menschlichen Ge-müthes auf den Beistand verunglückter Mitmenschen überhaupt hat,ist besonders hervorzuheben.

Ich habe vor mehreren Jahren den Samariterunterricht als ein vor-treffliches Mittel gegen die Curpfuscherei bezeichnet. Richtig gehand-habt, stellt er, wie sich aus den bisherigen Darlegungen ergiebt, einsolches auch unzweifelhaft dar, wie von vielen Seiten anerkannt wird.Der stete Hinweis auf die Unzulänglichkeit der Kenntnisse der Laien undauf die Grenzen der Thätigkeit, welche der Nothhelfer innezuhalten hat,ferner aber besonders die Art der Unterweisung selbst, welche stets nurin grossen Zügen allgemein wissenschaftlich feststehende Thatsachen inleicht verständlicher Form darzulegen hat und sich fernhält vom Vortragevon allen noch nicht allgemein anerkannten Dingen, kann Laien nicht zuCurpfuschern machen. Auch die Art und Weise, wie der Arzt aus demreichen Born seines Wissens und seiner Erfahrungen den Laien vorträgt,zeigt diesem den gewaltigen Unterschied zwischen seinen Vorstellungen unddenen des Arztes. Die Betonung der hohen Verantwortung, welche derArzt bei seinem Thun jederzeit hat, und noch viele andere Momenteträgt ferner dazu bei, viel mehr Achtung vor ärztlichem Wissen undKönnen den Zuhörern beizubringen, als es durch zahlreiche Schriftenmöglich ist. Behördliche Gurpfuschereiverbote allein, so erwünscht sieauch sind, haben bisher noch niemals den beabsichtigten Erfolg ge-habt, wenn nicht ergänzend die Aufklärung des Volkes durch Aerztehinzukam. Die Anerkennung ärztlicher Tüchtigkeit und Verständniss fürdie Bedeutung der medioinischen Wissenschaft seitens des Publikumssind die besten Waffen gegen die Curpfuscherei, und gerade diese Aner-kennung ernten die Aerzte, wenn sie Curse der genannten Art abhaltenund überall ins Leben rufen. So wirkt der genannte Unterricht auch