Druckschrift 
2,1 (1902)
Entstehung
Seite
580
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580 G. Meyer,

Weise betheiiigt sind, ist eine besondere Hebung in den ersten Hülfs-leistungen in allen einzelnen Disciplinen ein dringendes Erforderniss. Essei hier nur an einige sich häufig ereignende Fälle erinnert. Blutungenoder heftige Schmerzen im Bereich der einzelnen Körpergegenden undOrgane, die aus verschiedenen Ursachen auftretende Athemnoth, plötzlichentstehende Störungen der Function einzelner Organe, der Blase, derVerdauungswerkzeuge, Vergiftungen mit ihren Folgen, Störungen des Be-wusstseins und das ganze Heer der verschiedenartigen Verletzungen er-fordern eine ganz besondere Vorbildung auf dem Gesammtgebiet derMedicin, nicht allein der Chirurgie, wie vielfach erwähnt wird.Allerdings werden in den einzelnen Sondervorlesungen auf allen diesenGebieten die für die erste Versorgung in Betracht kommenden Hülfs-leistungen auch berührt. Aber die Zusammenfassung derselben in einerbesonderen Fachvorlesung ist bis jetzt nirgends erfolgt. Und dennoch er-scheint eine solche in gleicher Weise erforderlich, wie jetzt speciell dia-gnostische oder allgemeintherapeutische Gegenstände zu einer Vor-lesung vereinigt werden. Die erste Hülfe stellt besondere Anforderungenan den Rettungsarzt auf dem Gebiete der schnellen Diagnose. Dennohne eine solche ist ein wirksames Eingreifen schwierig. Es muss alsoin dieser genannten Sondervorlesung der schnell auffassende Blick für dieaugenblickliche Gefahr geschärft werden, so dass diese Ausbildung dieGrundlage für die gesammte Schulung der zukünftigen Aerzte sein muss.

Die jetzt eben in Preussen eingerichteten Fortbildungscurse fürAerzte könnten sehr wirksam für den genannten Zweck mitbenutztwerden. Ein Anfang hierzu ist bereits durch die erwähnten von v. Berg-mann im Aerzteverein der Berliner Rettungsgesellschaft vor zwei Jahrenabgehaltenen Curse gemacht worden. Es war damals geplant wordenin den Hauptwachen der Rettungsgesellschaft, den Krankenhäusern, Fort-bildungscurse besonders für die in der Nähe der Hospitäler wohnendenAerzte einzurichten, um so die Hospitäler zu Mittelpunkten für dieweitere Ausbildung der Aerzte zu gestalten. Dieser Plan hat durch dieBegründung des Centralcomites für Einrichtung von Fortbildungscurseneine bedeutende Förderung und Ausgestaltung erfahren. Bei der Neu-regelung des Rettungswesens, welche jetzt für die grösseren StädteDeutschlands auf der Tagesordnung steht, wäre eine Zusammenfassung derEinrichtungen dieses mit den Fortbildungscursen wohl zu berücksichtigen.

Andere Aufgaben erwachsen für die Nothhelfer oder, wie sie nachEsmarch genannt wurden, die Samariter. Ihre Aufgaben bestehenhauptsächlich darin, bei Unglücksfällen und bei plötzlichen Erkrankungen,bei welchen sie zugegen sind, für schnelle Herbeirufung' eines ArztesSorge zu tragen und in der Zwischenzeit alle Schädlichkeiten von demVerunglückten fernzuhalten. Es ist also die Aufgabe der Samariter zunächsteine negative und dennoch eine ungemein wichtige. Bei einem Unfälle stehtdie Umgebung des Patienten gewöhnlich rathlos umher, immer mehrmüssige Zuschauer sammeln sich an, welche allein durch ihre Anwesen-heit den Kranken aufregen, auch wenn sie, was beinahe nie geschieht,