Druckschrift 
2,1 (1902)
Entstehung
Seite
578
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578 G. Meyer,

welches ihn als Samariter legitimirt, damit aber zugleich verpflichtet, dieHilfe unentgeltlich zu leisten.

Für aussergewöhniiche Leistungen auf dem genannten Gebiete behältsich der Verein vor, besondere Auszeichnungen und Anerkennungen zuverleihen".

Es sind nach dem Muster des Esmarch'schen Leidfadens vieleandere Bücher für erste Hülfe und für Unterricht in derselben erschienen,und man kann wohl sagen, dass wohl Jeder, welcher selbst eine solcheUnterweisung crtheilt, sich auch selbst einen Plan und allgemeinen Ent-wurf für einen solchen Unterricht herstellt. Es richtet sich dieser nachdem Bildungsgrade der Zuhörer und nach der Intelligenz derselben, sodass es sehr berechtigt ist, Angehörige bestimmter Berufsklassen undauch Bildungsstufen immer in einem Unterrichtscurse zusammenzunehmen.Bezeichnend für die Art des Unterrichtes in der ersten Hülfe ist es,dass vor zwei Jahren v. Bergmann im Aerzteverein der BerlinerRettungsgesellschaft vor Aerzten solche Curse abhielt, und damals voneinigen Seiten eingewendet wurde, dass dergleichen, weil es bis dahinnoch nicht geschehen, doch für Aerzte gar nicht passend sei. Geradediese Curse haben bewiesen, dass es eben auf die Gleichartigkeit derZuhörer ankommt, welche solchen Cursen beiwohnen, und welchen derUnterricht angepasst werden muss. Jene ausgezeichneten Vorträge werdenJedem, welcher an ihnen theilgenommen, in der Erinnerung bleiben.Hier war die Unterweisung eine andere, als die für Mitglieder von Sport-vereinen oder für Werkmeister von Fabriken, für Eisenbahnbeamte u. s. w.bestimmte.

In meiner Arbeit über „Krankentransport", welche 1894 in denEncyclopädischen Jahrbüchern erschien, habe ich Folgendes ausgesprochen:

„Der Krankentransport, die Ueberführung des Kranken von einemOrt zum anderen, gehört zu den bedeutendsten Zweigen der gesammtenKrankenpflege. Der Krankentransport stellt in vielen Fällen den Beginnder Sorge um den Kranken dar und ist oft von entscheidender Bedeutungfür sein ferneres Wohlergehen. Eine der vornehmsten Aufgaben bei derErlernung der Krankenpflege für Aerzte und Wärter sollte es sein, sichgenau über sachgemässe Art des Krankentransportes zu unterrichten.Leider wird die Krankenpflege als solche auf den meisten Universitätenso gut wie garnicht besprochen. Es wäre sicherlich ein verdienstvollesWerk, im Anschluss an die Verband- oder Operationscurse auch Unter-weisungen in den verschiedenen Arten des Krankentransportes, eventuellauch mit Uebungen, zu ertheilen, und dadurch einen wichtigen Theil derKrankenpflege, deren Rest in den Kliniken zu besprechen bliebe, denStudirenden vorzuführen. Merkwürdigerweise werden in allen diesenZweigen nur Laien — auch in der ersten Hülfe bei Unglückfällen —unterrichtet, während aus unbestimmbaren Gründen deren Kenntniss beiallen Medicinern als selbstverständlich vorausgesetzt wird, jedoch, wiedie tägliche Erfahrung lehrt, keineswegs stets in genügendem Maassevorhanden ist."