Druckschrift 
2,1 (1902)
Entstehung
Seite
574
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574 G. Meyer,

Körpers, er vergleichet die mehrmal wiederholte Versuche mit diesen seinesehemaligen geglaubten Retters, des Scharfrichters, Schäfers, AbdeckersFrohndieners, Propheten, Segensprechers, weisen Mannes, Uringuckers,findet, dass diese ihn betrügen, und jene ihm einfache Wahrheit sagen, behülftsich nun in Kleinigkeiten damit, und geht, wenn ihm Gefahr droht, nun nichtmehr zu Scharlatanen, nein, er sucht die Hülfe eines wirklichen Arztes."

In der folgenden Zeit waren dann besonders die behördlichen Ver-fügungen für Niehtärzte bei Unglücksfällen Hülfe zu leisten, wie dieangeführten Verordnungen beweisen, die in die Erscheinung tretendenAndeutungen eines Rettungswesens. Auch für die Beamten, welchezuerst mit Verunglückten in Berührung kommen, die Polizeibeamten,wurden solche Verordnungen erlassen. Polizeirath Merker hat sie später1818 in seinemHandbuch für Polizeybeamte im ausübenden Dienste"eigens zusammengestellt. In der oben abgedruckten Bekanntmachung derWiener Rettungsanstalt 1803 enthält No. 19 S. 561 Anweisung über dieThätigkeit der Polizeibeamten bei Unglücksfällen.

Um die gleiche Zeit wurde von verschiedenen Seiten, namentlichvon Aerzten, der Vorschlag gemacht, die Leichen, um das Begraben vonScheintodten zu verhüten, vorher bestimmte Zeit in besonderen Häusern,Leichenhäusern, unterzubringen und daselbst in geeigneter Weise zu be-obachten. Es entstanden in Deutschland eine Reihe von solchen Leichen-häusern, über deren Benutzung gleichfalls aus jener Zeit zahlreiche Ver-ordnungen und Veröffentlichungen vorhanden sind. Besonders wendetesich 1788 Marcus Herz gegen den bei den Juden herrschenden Ge-brauch, ihre Todten schon nach vier Stunden zu beerdigen und publicirteeinenPlan zu einer mit Königl. Allerhöchster Bewilligung allhier zuerrichtenden Leichen- und Rettungsanstalt".

Die erste Anstalt dieser Art in Deutschland wurde 1791 auf Vor-schlag Hufeland's in Weimar eingerichtet. 1797 wurde eine Anstaltin Berlin von . der Gesellschaft der Freunde und 1818 in Müncheneine solche hergestellt. Für erstere erlangte Oppenheimer einen voll-ständigen Rettungsapparat, Badewanne etc. In Bromberg wurde dasLeichenhaus mit kreisförmiger Aufstellung der Särge um eine Bühne 1821eröffnet. 1805 wurde das Leichenhaus in Mainz errichtet.

Auch zur Zeit der Choleraepidemie im Jahre 1831 war Besorgnissvor dem Lebendigbegrabenwerden vorhanden. Ebers veröffentlichte inder Schlesischen Cholera-Zeitung 1831/32 einen Aufsatz:Ueber dieBeerdigung der an Cholera gestorbenen Personen", in welchem erdarauf hinwies, dass der Scheintod zwar selten sich bei Oholerakrankenereigne, und die Oholeraleichen typisches Aussehen hätten. Immerhinmüsse man aber bei grossen Epidemien recht vorsichtig sein.

Noch bis vor einigen Jahren hatte die Leichenhalle desJerusalemerKirch-liofes in der Belle-Alliancestrasse in Berlin aussen die Aufschrift:Zur Er-rettung vom Scheintode,"welche bei Ausbesserung des Hauses entfernt wurde.

Bemerkenswert!) ist ein Aufsatz:Ueber die Möglichkeit des Lebendig-begrabens und die Errichtung von Leichenhäusern" von Dr. Speyer,