Fürsorge auf dem Gebiete des Rettungswesens. 571
man im fall der Noth von disera die verdächtigen Persohnen hatkönnen beschauen lassen."
Hiermit ist — wohl zum ersten Male — eine Vorsorge für einean bestimmter Stelle eines Ortes eingerichtete ärztliche bezw. wund ärzt-liche Hülfsbereitschaft während einer Epidemie geschildert. Auchin Zeiten späterer Epidemien wurden an bestimmten Orten der Städtezur Hülfsleistung Aerzte in bestimmten Wachtlocalen, wie wir nochsehen werden, eincpiartiert.
Eine grosse Zahl von Werken ähnlichen Inhaltes ist in jenen Zeitenerschienen, welche zum Theil treffliche Darstellungen einer Volksmedicinenthalten, während andere nicht auf der Höhe standen, sondern, wiedann in späterer Zeit getadelt wurde, viel dazu beitrugen, die Cur-pfuscherei zu fördern, oder auch wohl nur als Mittel für Onrpfuschereidirect anzusehen sind. Jedenfalls sind die ersteren Werke, deren Erscheinendie Einsicht beweist, dass bis zur Ankunft eines Arztes oder in Abwesen-heit eines solchen irgend eine Vorsorge für Erkrankte und Verunglücktegetroffen werden muss, als die Vorläufer des jetzt sogenannten Samariter-thums anzusehen. Ich möchte dies hervorheben, weil hierauf noch nichtgenügend oder gar nicht hingewiesen worden ist. Es sind dann nochzahlreiche Werke aus dem 17. und 18. Jahrhundert mit eigenartigemTitel zu erwähnen, wie: Der unwürdige Doctor, der sichere und ge-schwinde Arzt, der präservirende Arzt, erwünschter Hausarzt, Land- undBauern-Doctor und ähnlich lautenden Titeln, in welchen gewöhnlich dasAVort „Arzt" mit irgend einem Beiwort versehen ist, welches anzeigt,dass das betreffende Werk für Nichtärzte verfasst ist.
Nach Begründung der Amsterdamer Rettungsgesellschaft wurdenvon einer grossen Reihe der hervorragendsten Aerzte der damaligen ZeitWerke, welche für die Unterweisung von Laien zur ersten Hülfsleistung inAbwesenheit von Aerzten, besonders für die Landbewohner oder auch anderePersonen, welche nicht leicht ärztliche Hülfe finden konnten, bestimmt waren,herausgegeben, so von Tissot, Struve, Störk, Zarda u. A.
Sehr gesucht waren in jener Zeit Bücher, welche in alphabetischerReihenfolge Erkrankungszustände und die dagegen zu benutzendenHülfsmittel enthielten, wie solche z. B. von Zarda, Hufeland, Poppeverfasst sind. -Der erstere Autor verdient ganz besonders genannt zuwerden, da er als erster Arzt einen Unterricht in erster Hülfe 1792öffentlich angekündigt und gehalten hat, obwohl Struve hervorhebt,dass 1780 Hawes „öffentliche Vorlesungen über die WiederherstellungScheintodter unentgeltlich" einrichtete. Ob Hawes diese Vorträge ingleicher Form angezeigt, wie dies Zarda gethan, ist wohl schwierigfestzustellen. Jedenfalls ist die Ankündigung von Zarda so bemerkens-werth, dass ich sie im Original (photographirt) in der Zeitschrift „DerSamariter" bereits abgedruckt habe und sie auch an dieser Stellewörtlich wiedergeben will: