Druckschrift 
2,1 (1902)
Entstehung
Seite
567
Einzelbild herunterladen
 

Fürsorge auf dem Gebiete des Rettungswesens. 567

175

Todgefallen ........... 58

Ermordet ............ 7

In siedend Wasser gefallen ....... 1

Im Rauch ersticlit .......... 4

Summa . . . 245

Auf dem Lande, sind zwar viele Ursachen plötzlicher Unglücksfälle, diein Städten herrschen, nicht zugegen; allein man rechne, wie viel Menschen da inLehmgruben, Sandgruben ersticken, wie viele in Steinbrüchen zertrümmert werden,wie manche von Bäumen zu tod stürzen, beym Holzfällen erschlagen werden, wieviele Kinder, wegen Mangel der Aufsicht ihrer in Arbeit begriffenen Aeitern, ver-brennen, verbrühen, ersticken, ersäufen, von Schweinen gefressen werden, sich zutod fallen, u. s. w. — So wird die Gefahr in Städten und auf dem Lande, bey-nahe gleich scheinen müssen."

In den Zeiten, welche dem Aufschwünge des Rettungswesensfolgten, sind dann nicht sehr viel neue Einrichtungen auf dem Ge-biete des Rettungswesens getroffen worden. Der Grund hierfür liegtwohl darin, dass die damals in Europa herrschenden Kriege die Auf-merksamkeit der Behörden und des Publikums mehr nach aussen rich-teten, so dass es nicht möglich war, für dergleichen innerliche Verhält-nisse viel Interesse zu erwecken. Einzelne Werke und behördliche Ver-ordnungen sind auch in jener Zeit' erschienen, aber es ist doch ihreZahl gering im Verhältniss zu der aus der früheren Periode. Dergleiche Grund ist auch wohl dafür anzuführen, dass die reichhaltigeLiteratur jener Zeit, wie erwähnt, fast vollkommen in Vergessenheit ge-rathen ist, und daher die in neuerer Zeit hergestellten Rettungseinrichtungengewöhnlich als ganz neue Erfindungen hingestellt und auch für solche ge-halten werden, während bei natürlicher Entwicklung der Dinge solcheVorkehrungen, wie sich beim Vergleich mit den älteren zeigt, gar nichtanders hergestellt werden können. Sie waren vor mehr als hundertJahren in gleicher, den damaligen Verhältnissen angepasster Weise ein-gerichtet.

Es zeigt sich nämlich aus allen in jener Zeit vorhanden gewesenenRettungseinrichtungen, von welchen ein Theil oder sogar der grössteTheil jetzt nicht mehr besteht, dass man genau wie heute bemühtwar, bei Unglücksfällen zunächst Vorkehrungen zu treffen, die Ver-unglückten aus ihrer gefährlichen Lage zu befreien und dann biszur Ankunft eines Arztes oder Wundarztes zu versorgen. In ein-zelnen Städten waren diejenigen Aerzte, welche sich für diesen Dienstbereit erklärt hatten, bekannt gegeben, damit man so schnell alsmöglich ärztliche Hülfe erreichen konnte, was natürlich unter denin jener Zeit bestehenden Verhältnissen sich nicht so leicht verwirk-lichen Hess, als heute, wo Dampf und Electricität in Bezug auf Herbei-rufung und Herbeiholung von Personen gänzlich veränderte und ver-besserte Verhältnisse geschaffen haben. Besonders auf dem Lande wares damals noch schwieriger als jetzt, stets ärztliche Hülfe zu erlangen,