526 G. Meyor,
In Ijeyden Fällen bestehet die erste Hülfe darinnen, dass man einen solchenUnglücklichen schleunigst an die frische Luft bringe, und ihn von allen engen oderdrückenden Kleidungsstücken, so wie im zweyten Abschnitt No. 2 gelehret wordenbefreye.
Die bloss Betäubten erhohlen sich oft bald, wenn sie mit Wasser angesprütztwenn ihnen scharfriechende Sachen unter die Nase gehalten, oder ein paar PrisenToback nach und nach behutsam in die Nase geblasen werden.
Ist aber in höherem oder geringerem Grade, eine wirkliche Erstickung vor-handen, alsdann wird mehr Bemühung und Zeit erfordert. Die bewährtesten Hülfs-Mittel in solchen Fällen sind folgende:
1. Man bringet den Verunglückten, welcher bereits der beschwerlichstenKleidungsstücke entlediget ist, in ein kühles Gemach, worinnen die Fenster offenseyn müssen, die Witterung sey wie sie wolle. Man setzt ihn in eine Stellung, dassder Oberleib aufgerichtet ist, die Schenkel aber niederhangen, und setzt die Schenkelbis an die Knie in ein lauwarmes Fussbad, welches nach und nach mehr erwärmetwerden kan.
2. Wenn ein Wund-Artzt zu erlangen ist; so wird er unverzüglich eine Ader,und zwar, wo möglich, am Halse öfnen.
3. Die Umstehenden halten indessen dem Kranken scharfriechende Sachen andie Nase, blasen ihm auch reitzende Mittel in die Nase, nach der Anweisung im erstenAbschnitte No. 6.
4. Man muss ferner sich äusserste Mühe geben, den gewöhnlicher Weise ge-sperreten Mund des Kranken zu öfnen, und ihm nach dem Unterricht im ersten Ab-schnitt No. 4 Luft einzublasen.
5. Tobaks-Clystire sind hier ebenso heilsam, als in den vorher erwähntenFällen. Die Art, sie zu appliciren ist im ersten Abschnitte No. 5 gelehret.
6. Oder mau kau auch dem Kranken ein Clystir geben, aus einer HandvollRauchtobak mit einem starken Löffel Salz, in einem Nössel Wasser gekocht.
7. Endlich hat man in vielen Fällen schleunige Hülfe verschaffet, wenn derganz nackende Cörper des Erstickten öfters mit vielen Eymern kalten Wassers be-gossen wird.
Anmerkung. Personen, welche vom Schwefel-Dampfe des Blitzes ersticketsind, können in derEyl, nach obiger Vorschrift, eben so, wie andere Erstickte be-handelt werden. Nur kan man in diesem Falle, oder auch, wenn jemand vom Kohlen-Dampfe ersticket ist, nicht genug eilen, einen Artzt oder Wund-Artzt herbeyzu-sch äffen.
Vierter Abschnitt.Von Hülfs-Mitteln für Erfrorne.
Jedermann weiss, dass Leute, welche sich einige Zeit in strenger Kälte befinden,sich oft ein Glied erfrieren, oft auch gäntzlich erstarren. Im ersteren Falle ist dieCur unfehlbar und leicht, wenn der Leidende nicht damit säumet. Im anderen Falleist die Wiederherstellung meistentheils möglich, wenn die gehörige Mittel ange-wendet werden. Hier ist der Ort zum Unterricht für beyde Fälle.
Dass ein Glied erfroren sey, bemerket man daran, wenn es weiss, unempfindlichund unbeweglich ist. Wer dieses wahrnimmt, bedecke und reibe den leidenden Theilmit Schnee oder kalten Wasser, worinnen zerstossenes oder zerschäbtes Eis lieget,so lange, bis er darinnen eine Hitze und ein brennendes Jucken empfindet. Alsdannsind die innerlichen Lebens-Bewegungen wieder hcrgestellet. Jedoch muss er sichnicht an einen warmen Ofen, oder an ein Feuer wagen.