Druckschrift 
2,1 (1902)
Entstehung
Seite
524
Einzelbild herunterladen
 

524 G. Meyer,

bringet das mit Oehl bestrichene Ende des einen Stiels in den Mastdarm des Krankenund durch das andere blaset ihm ein Mensch den aus beyden Pfeiffen gestossenenRauch ein. Knaster und Brasilien-Toback, sind hierbey am würcksamsten. Dochthut auch schlechterer im Nothfall gute Dienste.

G. Während dieser Verrichtungen reibe man das Gesicht und besonders dieSchläfe des Kranken mit warmen Essig oder wohlriechendem Spiritus, halte ihm auchdie stärcksten flüchtigen Wässer unter die Nase, z. E. den flüchtigen Hirschhorn-Geist, den flüchtigen Salmiak-Geist u. s. w., auch wohl, wenn nichts anderes bey derHand ist, scharfen Essig, oder starken Brandtwein. Man blase ihm ferner von Zeitzu Zeit Schnupf-Toback, oder ein Niese-Pulver aus Violen-Wurtzel, Majoran, RautePfeffer, oder Niesewurtz, jedoch in kleinen Prisen und nicht allzu heftig, in dieNase-Löcher. Dadurch werden die Nerven zur Bewegung gereitzt.

7. Mit diesen abwechselnden Bemühungen muss man einige Stunden nicht er-müden. Mittlerzeit kann das Gemach, wo der Kranke lieget, nach und nach, dochmassig, warm gemach et werden.

8. So lange kein Lebens-Zeichen wahrzunehmen ist, wäre es nicht nur unnütz,sondern auch gefährlich, dem Kranken Feuchtigkeiten einzuflössen. Man muss sichsogar hüten, ihm, wenn er auch wieder zu sich selbst kömmt, sogleich einiges Ge-träncke oder flüssige Arzeneyen zu reichen. In diesen ersten Augenblicken sind alleWerkzeuge noch so schwach, dass er leicht unglücklich schlucken könnte.

9. Dagegen wird der Wiederauflebende in ein gewärmtes Bette gebracht. Warer bisher mit Asche oder Salz bestreuet gewesen, so reibet man ihn mit warmenTüchern sanft ab. Wenn er dann vermögend ist zu schlucken, so gebe man ihm nachund nach jedesmahl einen Theelöffelvoll warmen Thee, oder warmes Bier mit Meer-zwiebel-Honig vermischt, oder in dessen Ermangelung ein wenig warmes Wasser mitEssig oder Wein gemischt; und reibe ihm immerfort die Füsse, Hände und denRücken mit warmen Tüchern.

10. Wenn alle diese Hülfe geleistet ist; so überlasse man den Kranken der Vor-sorge des Artztes, welcher das übrige zu seiner Wiederherstellung und zur Cur desFiebers, das gemeiniglich auf solche Zufälle folget, besorgen wird.

Zweyter Abschnitt.Von Hülfs-Mitteln für Erhenckte oder Erwürgte.

Wenn ein Mensch am Halse hängend, oder durch irgend eine äussere Gewalt,mittelst eines um den Hals geschnürten Bandes, erwürgt, ohne alle Lebens-Zeichengefunden wird, so ist die schleunigste Hülfe nöthig: sonst ist der Tod unvermeid-lich. Hoffentlich wird niemand, wer er auch sey, aus falscher Schaam. albernem,durch das jetzige Edict bürgerlicher Strafe unterworfenem Vorurtheil, oder aus kin-dischem Eckel, Anstand nehmen, dem Unglücklichen unverzüglich zu helfen, wenner bedencket, dass der gegenwärtige Augenblick der einzige ist, da ein Mitgeschöpfgerettet werden kann.

Diese Rettung wird durch folgende Mittel versuchet:

1. Das allererste, allernöthigste ist, dass derjenige, der zu einem so kläglichenAnblicke kommt, ohne sich zu bedenken, ohne erst um Hülfe zu rufen, das Band,oder was es seyn mag, abschneide, womit der Verunglückte aufgehängt, oder gewürgtist. Wenn der Fall einen Gehängten betritt, so wird jeden die Menschlichkeit er-innern, so viel möglich Sorge zu tragen, dass der Cörper im Herabfallen nichtSchaden leide.

2. Der Todtscheinende wird bald, mit Behutsamkeit, in das nächste Haus ge-bracht, und in einem Gemach, worinnen weder Dunst noch viel Wärme ist, auf ein