Druckschrift 
2 (1928)
Entstehung
Seite
360
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LUDWIG 3 6r>

chef Rochows rechtfertigte sich: die Akten seien nicht zur Handgewesen, auch könne nur das Oberzensurkollegium diese Auf-klärung geben. Am 22. Juni mahnte Altenstein noch einmal. Darauf-hin gab nun endlich (25. Juni) das Oberzensurkollegium die not-wendige Richtigstellung, die Rochow seinem wortkargen Kollegenam 13. Juli zufertigte. Damit war die Sache auch für Altenstein er-ledigt. Er verhielt sich auch hierbei ganz so zurückhaltend undscheu, wie ihn Varnhagen in einem seiner oft so pikanten Merk-blätter (Beilage zu Altensteins Briefen, von denen aber keiner dieKnebelsche Angelegenheit betrifft) charakterisiert hat: „Der Mi-nister von Altenstein hatte sich persönlich so zurückgezogen, daß eiaus seinem Kabinet wie eine unsichtbare Macht wirkte, und wedöseine Kollegen noch der König bekamen ihn zu sehen. (Anekdotevon dem alten Mann, dem der König auf seinen Potsdamfahrtenimmer zwischen Berlin und Schöneberg begegnete, und von dem erendlich wissen wollte, wer es denn sei, da es sich auswies, es sei derMinister Altenstein.) Der Herzog von Cumberland sagte in diesemBetreff einmal zum Könige: ,Das Kerl ist lange todt; das Kerl lebtgar nicht mehr, und betrügt Sie nur um das Traktament!' (Besol-dung.)."

[Benutzte Akten: Geheimes Preußisches Staatsarchiv Berlin Rep-77 II Spec. M 34 und Rep. 101 E Spec. M 33. — Die Briefe Mundt,Altensteins und v. Müllers in Varnhagens Nachlaß, PreußischeStaatsbibliothek Berlin, die an Reichenbach im Archiv der Reichen-bachschen Buchhandlung in Leipzig.]

LUDWIG, OTTO (1813—1865).

Otto Ludwig wäre auf dem Theater vielleicht vier Jahre früherdurchgedrungen, hätte ihm nicht die Zensur gewissermaßen die Türevor der Nase zugeschlagen. Als er noch mit seinen ersten Dramenerfolglos bei Intendanten und Direktoren hausieren ging, fand er inEduard Devrient, dem Oberregisseur des Dresdener Hoftheaters,einen begeisterten Anhänger und Freund. Im Dezember 1845 hatteihm Ludwig eines seiner Jugendwerke gesandt, „Die Rechte desHerzens". Devrient spürte sofort den Atem eines neuen Talentes;Änderungen, die er verlangte, führte der Dichter zur vollen Zu-friedenheit des Theaterpraktikers aus; aber als sie fertig waren, hatteDevrient infolge eines Zerwürfnisses mit seinem Bruder Emil, demschauspielerischen Star des Dresdener Theaters, die Oberregie nieder-gelegt und besaß nun nicht mehr die Autorität, die dazu gehörte,den Widerstand des ängstlichen Intendanten v. Lüttichau gegen dasWerk eines so gut wie unbekannten Anfängers zu brechen. Denn..die Rechte des Herzens" waren bedenklich aktuell, ihr Held warein Polenflüchtling, und soeben, im Februar 1846, setzte eine neue