Druckschrift 
2,1 (1902)
Entstehung
Seite
493
Einzelbild herunterladen
 

Fürsorge auf dem Gebiete des Krankentransportwesens. 493

Krankentransporte hauptsächlich Verunglückter, aber niemals von an-steckenden Kranken.

Sie besitzt 14 verschiedene Wagen, von welchen 6 als Rettungswagen mit Trage, Rerservebahre und Verbandmitteln dienen. Die Trageist schwebend angebracht. Sind 2 Verunglückte zu transportiren, so kannauch der zweite Verletzte bequem im Inneren des Wagens untergebrachtwerden. Ein ähnlicher, jedoch offener Wagen gelangt nur im Sommeroder bei Massenunfällen zur Verwendung. . Ferner sind 2 Landauer vor-handen, einer mit seitlicher, der andere mit hinterer Einladung. Vor-richtungen, um im Nothfalle auch gewöhnliche Landauer in einfacherWeise zu zweckmässigen Transportmitteln zu gestalten, sind bereitgestellt.Ein Coupe ist zum Transport von Geisteskranken eingerichtet, und zwarnach dem Muster des Wiener Modells, welches ich an dieser Stelle be-schreibe. Dasselbe hat keine Fenster, ist innen mit Kautschuck ge-polstert und erhält durch seitwärts ganz oben angebrachte, vergitterteOeffnungen Licht. Es hat rückwärts eine Thür, welche von innen nichtgeöffnet werden kann, und im Inneren zwei Sitzplätze. Mittelst zweierGlocken kann der Begleiter den Kutscher oder Diener auf dem Bockbenachrichtigen. Allerdings ist man in Wien und zwar aus vollkommenrichtigen Gründen von der Benutzung des Wagens abgekommen, da esviel besser erscheint, Geisteskranke in nicht auffälligen Wagen zu be-fördern. Sämmtliche Wagen sind im Winter geheizt. Nach jedemTransport wird jeder Wagen desinficirt. Ferner sind zweirädrige Hand-wagen, ein Omnibus (für Massenunfälle), 74 Tragbahren und 4 Feder-sessel vorhanden.

Die in noch anderen Städten bestehenden freiwilligen Rettungsge-sellschaften (siehe später) besorgen die Beförderung der Verunglücktenund Kranken.

g. Russland.

Die Freiwillige Rettungsgesellschaft in Lodz, welche über eine An-zahl von Krankenwagen nach Wiener System verfügt, hat hier die Be-förderung der Verunglückten geordnet. Zu jedem gemeldeten Unfallfährt ein Arzt heraus und befördert den Verunglückten nach der Sanitäts-station, dessen Wohnung oder nach dem Krankenhause.

In Warschau besteht seit 1896 eine freiwillige Rettungsgesellschaft,welche über Krankentransportwagen nach Wiener Modell verfügt. Ver-unglückte wurden früher nach einem Polizeibureau in einer Droschkegeschafft, später wurden sie direct nach dem Krankenhause gebracht,jedoch wurde oft der Krankeabgewiesen und musste eine Rundreisedurch die Stadt antreten. Häufig wurde in solchen Fällen eine Leicheins Spital gebracht". Zur Zeit der Cholera 1894 erhielt Warschau denersten Krankenwagen für ansteckende Kranke, und von dieser Zeit anwurden Personen mit ansteckenden Krankheiten nicht mehr in Droschkenbefördert, aber noch Verunglückte. Tragbahren waren im Kranken-