452 G. Meyer,
Durchschnittlich wurden in den drei städtischen Krankenhäusern jährlichrund 22000 Kranke aufgenommen, d. h. etwas mehr als der dritte Theilder überhaupt in allen öffentlichen Krankenhäusern zur Aufnahme ge-langten Kranken. Berechnet man also jene 11 pOt. der Aufgenommenenwelche jetzt in besonderen Transportmitteln in die städtischen Kranken-häuser kamen, auf die Summe der Kranken in allen Hospitälern inBerlin, so ergiebt sich, dass rund jährlich 6750 Menschen (mit inner-lichen Erkrankungen) in Berlin nach den damaligen Zahlen besondererTransportmittel bedurften, eine Zahl, deren Verhältniss zur Zahl der Auf-genommenen sich wohl auch jetzt nicht geändert haben dürfte. Dassauch jetzt noch eine sehr grosse Zahl von Infectionskranken nicht inden vorgeschriebenen Krankenwagen befördert wird, erhellt auch aus demUmstände, dass im Jahre 1899 nur 691 mal Desinfectionen von Kranken-transportwagen erfolgten, während rund 4400 Fälle von ansteckendenErkrankungen sich ereigneten, von welchen sicher erheblich mehr als691 in die Krankenhäuser gelangten. Allein der Durchschnitt obiger3 Jahre von nur 3 Krankenhäusern Berlins ergiebt schon eine jährlicheAufnahme von 1688 ansteckenden Kranken.
Ich glaube, wohl der erste gewesen zu sein, welcher nach zuver-lässigem Material eine Zusammenstellung wie oben angefertigt und hier-nach die erwähnte Berechnung gemacht hat. Rubner betont in einemVortrage am 5. Mai 1894 im Preussischen Abgeordnetenhause die Not-wendigkeit zweckmässiger Transporteinrichtungen für Kranke, nimmtaber nur 5—6 pCt. aller Kranken als diejenige Zahl an, welche einesbesonderen Transportes bedarf.
In Anlehnung an meine Arbeiten und besonders an obige von mirgelieferte Zusammenstellung hat in jüngster Zeit Max Hirsch in einerDissertation: „Ueber den Transport von ansteckenden Kranken in Berlin"gleichfalls die Wichtigkeit des Krankentransportes hervorgehoben. Ererwähnt, dass die geringe Inanspruchnahme der Krankenwagen für an-steckende Kranke, welche- sich bei der von mir seiner Zeit veranstaltetenUmfrage gezeigt, durch die Kosten für die Wagen bedingt sei, wie ichselbst dies an zahlreichen Stellen ausgeführt. Es hatten nämlich geradediejenigen ansteckenden Krankheiten, von welchen besonders Kinder be-troffen werden, geringe Zahlen für die Beförderung in Krankenwagen,während diejenigen ansteckenden Leiden, von welchen vorwiegend Er-wachsene betroffen werden, eine verhältnissmässig grössere Zahl vonTransporten in Krankenwagen aufweisen. Bei weiterer Zusammen-stellung meiner Zahlen von Kranken mit Typhus, Rose, Kindbettfieber,Grippe fand er, dass von den mit diesen Krankheiten Aufgenommenen61, bezw. 22, 73 und 34 pCt. in besonderen Krankenwagen in dieKrankenhäuser kamen. Die höchsten Zahlen von diesen vier habenaber ferner, worauf ich noch Werth legen möchte, Kranke mit solchenansteckenden Leiden, deren polizeiliche Meldung vorgeschrieben ist,nämlich Typhus und Wochenbettfieber. Wahrscheinlich waren auch dieseKranken vor ihrer Aufnahme ins Krankenhaus schwerer erkrankt als