Fürsorge auf dem Gebiete des Kranlcentransportwesens. 447
aus der im Augenblick vorhandenen Lage ergeben. Wagen allerArt sind auch an anderen Orten, wenn im Nothfalle nichts anderes vor-handen, zu benutzen, allerdings mit der Einschränkung, dass stets nursolche Fahrzeuge benutzt werden sollen, welche eine möglichst bequemeund — wie meistens erforderlich — ausgestreckte Haltung des Patientenzulassen, sodass Droschken von einer solchen Beförderung, ausser vonLeichtkranken und Verletzten, welche sitzen können, auszuschliessensind. In sinnreicher Art hat man auch bei Gelegenheit verschiedeneFahr- und Tragbahren improvisirt, wie die "Beispiele des grossen Ameri-kanischen und der von den Engländern in Indien und Afrika geführtenKriege beweisen. In den Veröffentlichungen über diese sind die betreffen-den Krankentransportmittel abgebildet.
Im Frieden sind die Improvisationen ganz besonders für Transportevon Kranken in bestimmten Gegenden geeignet und zwar in hervorragenderWeise im Gebirge, auf dem Lande, auf dem Wasser und bisweilen auchauf der Eisenbahn. Im Gebirge, wo Transporte von Verunglückten anStellen stattfinden müssen, wo kein Strauch, Baum oder Wachsthum vonirgend welchen Pflanzen mehr vorkommt, ist die Kunst Geräthschaftenherzustellen, um einen Menschen fortzuschaffen, natürlich ganz besondersschwer auszuüben. Als Tragstangen für Tragen eignen sich vortrefflichdie Bergstöcke, deren man je einen in die Aermel einer Jacke oderRockes stecken kann. Sind noch Bäume vorhanden, so können ausZweigen und Aesten Tragen hergestellt werden, besonders wenn manBergstöcke zur Hand hat. Auch Moos, Baumrinde lässt sich mit Bind-faden und Bergstöcken zu einer Trage verarbeiten, wie auch das Mate-rial des Rucksackes sich zu einer solchen eignet. Bernhard-Samadenhat, wie erwähnt, alle diese Verhältnisse in seinem Leitfaden berück-sichtigt und durch vortreffliche Abbildungen veranschaulicht. AuchLieber-Innsbruck schildert in seiner den gleichen Gegenstand behan-delnden Schrift die Improvisation der Krankentransportgeräthe lür dasGebirge sehr genau. 4* u f dem flachen Lande ist die Improvisation schonleichter, da hier als Tragen Thüren, Betten, Sophas, welche aus denHäusern herbeigeholt werden, benutzt werden können, ferner Stöcke,Schirme, auf .welche der Kranke gesetzt wird, während zwei Träger vonjedem Ende den Stab erfassen, und der Patient mit den Armen denNacken der Träger umgreift. Unendlich zahlreich sind die Herstellungs-möglichkeiten für Transportmaterial in Städten oder in einem Zimmer,in welchem viele Gegenstände sich als benutzbar erweisen. Ausgezeichnetsind Stühle, Tische und dergleichen. Bei Stühlen werden zwei Stangenan jeder Seite an den Stuhlbeinen unter dem Sitzbrett hindurchgestecktund eventuell befestigt. Bretter aller Art, welche sich überall in be-wohnten Räumen finden und einfach gepolstert werden, Leitern, kurzzahlreiche im Haushalt vorhandene Gegenstände eignen sich zur Herstel-lung von Krankentransportgcräthen. Ihre Anpassung für diesen Zweckmuss der Umsicht und dem Talent der Umgebung und der Helfer über-lassen bleiben.