444 G. Meyer,
IV. Besondere Maassnahmen für Krankentransport in Bergwerken.
Auch dieser erfordert nach der Eigenart des Ortes andere Maass-nahmen und Geräthschaften als alle vorhergehenden Arten von Kranken-befördernng. Vergegenwärtig man sich den Ort selbst, so ist ohneWeiteres deutlich, dass die Beförderung von plötzlich Erkrankten undVerunglückten hier meistens mit grossen Schwierigkeiten verbunden, ist,da es sich ja in den meisten Fällen um eine Beförderung bei einemGrubenunglück handeln wird, wo ganz andere Hindernisse für dasRettungswerk sich in den Weg stellen als auf der Erdoberfläche. BeiEinzelunfällen und -erkrankungen gestaltet sich die Beförderung auchnoch sehr schwierig, weil die Wege in den Bergwerken nur fürGesunde bestimmt sind. Die Wege sind feucht und glatt, fernersind die Schächte oft so niedrig, dass ein Mensch nur ganz gebücktdieselben passiren kann. Für alle diese und noch andere Verhältnissemüssen die Transportmittel und -einrichtungen angepasst sein. Auchauf diesem Gebiete des Krankenbeförderungswesens hat sich gegen früherein Umschwung vollzogen, indem man auch in Deutschland vorzüglichin einzelnen Gruben das Rettungswesen in ganz hervorragender Weisegeregelt hat, wobei die Fortschaffung der Verunglückten naturgemäss dieHauptrolle spielt, da selbst die Anlegung von Nothverbänden an derUnfallstelle im Bergwerk auf sehr erhebliche Schwierigkeiten stösst.Hier ist nur das allernothwendigste, was direct für die Erhaltung desLebens erforderlich erscheint, zu thun, und dann der Verunglückte aufschnellstem Wege an die Erdoberfläche zu schaffen. Die Unfallstelleselbst ist nach einem Unglück, Explosion oder Grubenbrand, wegender häufig für die Retter vorliegenden Gefahr nur schwer zu betreten.
Zur Fortschaffung von Verunglückten sind die eisernen Grubenhunde,die kleinen Fahrzeuge, welche in den Bergwerken auf Schienen fahren undden Verkehr der einzelnen Schächte unter einander und auch mit derOberwelt vermitteln und früher für Krankentransport gebraucht wurden,nicht sehr geeignet. Der Fahrkorb im Förderschacht enthält Schienen,auf welche der Wagen herauffahren kann, sodass eine Herausschaflmigvon Verunglückten hierdurch wohl ermöglicht, für den Patienten abernicht sehr zuträglich ist. Die in den Bergwerken in England u. s. w.gebräuchlichen Tragen, auf welchen ein Kranker in aufrechter Stellungbefördert werden kann, was in Bergwerken auch oft geeignet be-ziehungsweise sogar nur ausführbar ist, wenn die Förderräume sehreng sind, sind oben beschrieben worden. Ausserdem kommen aber nochandere Beförderungsmittel in Frage, welche sich in einzelnen Grubenfinden. Ganz ausgezeichnet sind die Vorkehrungen auf der ZecheShamrock bei Herne, welche durch die Bemühungen von DirectorG. A. Meyer dort eingeführt sind. Die schlittenartig gebauten Kufensind bereits oben erwähnt. An ihnen ist neuerdings eine Verbesserungangebracht, indem der Längstheil der Trage winklig, wie zur Beförderungvon Patienten mit Oberschenkelbrüchen, gestellt werden kann, was viel-