Fürsorge auf dem Gebiete des Krankentransportwesens. 443
gang der nothwendigsten Verbände weiter sachgemäss behandeln zulassen. Es ist ein ganz hervorragend verdienstvolles Werk, dass inneuerer Zeit sich verschiedene in jenen Gegenden wohnende Sachver-ständige, als auch solche aus anderen Gegenden, welche häufig sichdorthin begeben und die Nothwendigkeit besonderer Hülfsmittel hiererkannt hatten, es haben angelegen sein lassen, auch für die Hoch-gebirge Einrichtungen herzustellen und anzuordnen, deren Anwesenheitin diesen Gegenden unerlässlich erscheint. Vor allen Dingen ist Bern-hard-Samaden zu nennen, welcher einen trefflichen Atlas der vorzugs-weise im Gebirge sich ereignenden Unfälle zusammengestellt und auch dieVersorgung Verunglückter beschrieben hat. Natürlich nimmt hier dieBeförderung der Kranken einen Haupttheil ein. Aber selbst aus diesemWerke lassen sich nicht alle Fälle, welche vorkommen können, ermessen,sondern es bleibt den Begleitern eines Verunglückten immer überlassen,mit Besonnenheit und Geistesgegenwart vorzugehen, um die erforderlichenMaassnahmen zu treffen und alles im Augenblick Nothwendige zu be-sorgen. Ausserdem hat Seydel und ferner Lieber diesbezügliche Er-fahrungen von den Bayerischen Alpen zusammengestellt. Hervorzuhebenist, dass im Gebirge natürlich nicht immer die in den Clubhütten unter-gebrachten Transportgeräthschaften erreicht werden können, sonderndass gerade hier die Improvisation ein dankbares Feld findet. Manhat daher jetzt auch begonnen, die Führer im Hochgebirge in der erstenHülfe auszubilden und besonders dabei die Krankenbeförderung berück-sichtigt. Ausserdem wird die Improvisation, welche da, wo jede Vege-tation aufhört, grosse Schwierigkeiten darbietet, eingeübt und gezeigt,dass man mit relativ kleinen Mitteln auch auskommen muss, um selbsteinen Schwerverletzten fortzuschaffen. Das Weitere hierüber wird indem besonderen Abschnitt über Improvisationen der Transportgeräthedargelegt werden. Ausserdem sind in niedrigeren Gebirgen die Gast-häuser geeignete Orte zur Aufstellung der Beförderungsgeräthschaften,und ferner können die Führer einzelne Theile von Tragen bei sich führenund dieselben nöthigenfalls zusammensetzen. Solche Tragen sind obenbeschrieben und zwar die Tragschürze von Majewski, welche für solcheZwecke noch .einfacher gestaltet werden müsste, und ferner die Trage,deren Sitz nur aus Segeltuch besteht, und welche von zwei Menschenso gehalten wird, dass die Riemen über die Schultern eines jeden Trä-gers gelegt werden, welche den Sitz zwischen sich noch mit je einerHand erfassen. Auch Kormann legt grossen Werth auf die Anwesen-heit ausreichender Transportmittel, von Bahren und Kraxen, in den Club-hütten und fügt hinzu, „dass auf einem Schneefelde oder in einer Felsen-wüste der Möglichkeiten für improvisirte Transportmittel sehr wenigesind, und dass der Transport eines Schwerverletzten aui diesen unvoll-kommenen Geräthen kein angemessener ist".