v. KNEBEL 35°
einem Ort zu bringen, für den sie ihrer ganzen Fassung nach nichtberechnet waren. Ich bitte Sie dringend, Ihr Vorhaben (laut Briet)auszuführen, und eine Copie meines Vorwortes, mit Ihren Bemer-kungen versehen, an die Herrn v. Altenstein und v. Varnhagen zusenden. Haben Sie diese Copie noch nicht genommen, so stehtIhnen das Original wieder zu Diensten, und Sie werden dann ausden Erwiederungen dieser Männer vernehmen, daß das Mißverstand"' niß bei dieser Sache auf Ihrer Seite ist, und daß gerade ich derjenigebin, der Ihren Schritt mit der übergroßen Ängstlichkeit, die nament-lich jetzt in Sachsen herrscht, zu entschuldigen weiß. Sie sind jedoch„heilig" überzeugt, daß der 3. Band Knebels, mit einem von mirunterzeichneten Vorwort, in Preußen verboten werden würde un«bedenken nicht, daß der 1. Band 4 Druckbogen Biographie enthält,die lediglich aus meiner Feder geflossen, und daß er nichtsdesto-weniger in Preußen erlaubt wurde, und zwar zu einem Moment, alsdie Maßregeln, die jetzt bereits redressirt sind, noch ihre volle Streng ehatten. Außerdem scheinen Sie es besonders übel zu empfinden, wasich in aller Redlichkeit gemeint und gesagt: daß ich nichts Feind-seliges gegen den Knebel unternehmen würde. Bei jedem andernVerleger würde ich allerdings nicht die Zurückhaltung beobachtethaben, die ich mir gegen Sie, unserer freundschaftlichen Stellungwegen, zur Pflicht gemacht und treugesinnt durchführe, indem ich,sogleich bei mir selbst den Gedanken verwarf, es öffentlich zu an-nonciren, daß die Redaction des Knebeischen Nachlasses die Art undWeise, wie der 3. Band wider ihrem Wollen publizirt sei, nicht billige(da in der That die Danksagung an Altenstein auf einem Zettel sichnicht gut ausnimmt)! Herr von Varnhagen gab mir den Rath, ,dasVorwort nunmehr in einer hiesigen Zeitschrift abdrucken zu lassen,mit dem Bemerken, daß es Umstände halber vor dem 3. BandeKnebels, für den es bestimmt, zurückgeblieben sei'. Aus IhremSchreiben vom 16. d. ersehe ich, daß Ihnen auch dies unangenehmsein möchte. Um Ihnen zu zeigen, daß ich kein leidenschaftlicherRigorist bin, der Leuten, mit denen er im freundschaftlichsten Ver-kehr gestanden, auf Einmal Alles contrair thäte, will ich mir auchdiese noch übriggebliebene Satisfaction untersagen und IhrenWunsch erfüllen. Die Sache mag überhaupt jetzt gut sein und aufsich beruhen. Nicht aus Rücksichtslosigkeit, oder um Ihnen einenPossen zu spielen, schrieb ich jene Vorrede, sondern weil es meinegewissenhafte Überzeugung, es möchte literarisch gut sein und Ihnennicht schaden, so mit sich brachte. Es wird sich schon wieder aus-gleichen, und unser weiteres gutes Vernehmen hoffentlich nichtstören, wenigstens von Seiten meiner Ihnen sehr zugeneigten Ge-sinnung nicht."
Natürlich mußte sich Mundt vor dem Minister rechtfertigen, und