Druckschrift 
2 (1928)
Entstehung
Seite
349
Einzelbild herunterladen
 

349 v - KNEBEL

lassung des Vorwortes sagt, bei dessen Abfassung Altenstein selbst,der Geheime Rath Schulze und Varnhagen v. Ense gewissermaßenmitthätig gewesen sind. Jedenfalls ersuche ich Sie, mir umgehend dasVorwort wieder zurückzusenden. Ich werde es nun theilweise ineiner hiesigen Zeitschrift abdrucken lassen, da mir durch das Reskriptvom 6. März, das auch allen Buchhändlern mitgetheilt worden,wieder freigegeben ist, unter hiesiger Censur Alles, was ich will,drucken zu lassen. Übrigens dürfen Sie versichert sein, daß ich'gegen den Knebel nichts Feindliches unternehmen werde, da ich mirvielmehr vorgenommen hatte, jetzt nach seiner Beendigung ihmdurch mannigfache Zeitungsartikel zu nützen."

Daß Mundt mit der Eigenmächtigkeit des Verlegers nicht einver-standen sein konnte, hätte sich dieser selbst sagen können. Das för-dernde Interesse, das der Minister v. Altenstein dem Werk erwiesenhatte, wenn er auch in den Abdruck seiner eigenen Briefe an Knebelnicht willigte, verdiente den öffentlichen Ausdruck des Dankes nichtso sehr seitens des Verlags als vielmehr seitens der Herausgeber,denen hier das Wort abzuschneiden die unangenehmsten Folgenhätte haben können, besonders da der Minister wegen des Inhaltsdes Vorworts bestimmte Wünsche geäußert hatte. Der in so un-sicherer Lage befindliche Herausgeber Mundt mußte peinlich dafürSorge tragen, daß ihm jeder nur mögliche Vorwurf von Taktlosig-keit erspart blieb, und was ihm die Not gebot, war bei seinem Mit-herausgeber, dem Legationsrat Varnhagen v. Ense, selbstverständ-liche und oftmals bis zur Geziertheit durchgeführte Formsache. Einedementsprechende öffentliche Erklärung Mundts wäre deshalb fastgeboten gewesen. Nur die durch die massenhaften Zensurverfügun-gen der letzten Zeit bedrängte Lage des Buchhandels und die dadurcherzeugte ängstliche Reizbarkeit seiner Vertreter macht es begreiflich,daß sich der Verleger nicht wenigstens bei dem guten Zureden Mundtsberuhigte, vielmehr durch den bloßen Hinweis auf eine solche Be-richtigung seitens des Herausgebers erst recht in Harnisch geriet,worauf ihm Mundt am 18. März entschieden, aber noch immer ver-söhnlich, antwortete:

„Was die leidige Vorworts-Angelegenheit betrifft, so reden Siemich selbst in Ihrem Briefe abermals mit einer merkwürdigen Heftig-keit an, die ich aber unerwidert lassen will. Es würde mir doch un-möglich sein. Sie von Ihren vorgefaßten Meinungen zurückzubringen.Wenn ich Ihnen in meinem frühern Schreiben freistellte, ,über meinePropositionen nach Gutdünken zu bestimmen', so betrafen diesePropositionen aber das Dilemma, entweder das Vorwort ganz fort-zulassen, oder wenigstens die von mir angestrichenen Stellen alsVorwort zu drucken. Keineswegs aber gab ich Ihnen damit die Er-mächtigung, einzelne Stellen des Vorwortes herauszureißen und an