Druckschrift 
2,1 (1902)
Entstehung
Seite
405
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Fürsorge auf dem Gebiete des Krankeritransportwesens. 405

Wagen mancher Städte, wie wir noch sehen werden, auch vorhanden.Wie sie einzurichten, ist schwierig zu entscheiden, da der relativ kleineRaum des Wagens mit einer Wärmequelle versehen sein muss, welchenicht eine unerträgliche Hitze ausströmt, aber doch vom Kranken ange-nehm empfunden wird. Man muss hier die in anderen Fortbewegungs-mitteln für Gesunde angewendeten Heizvorrichtungen in Betracht ziehen,also in den Strassenbahnwagen, Droschken oder Eisenbahnwagen. So-wohl die geheizte Droschke als der geheizte Strassenbahnwagen habensich noch nicht bewährt. In neuester Zeit wurden in Berliner Strassen-bahnwagen Versuche mit Heizung durch Electricität, die auch zur Fort-bewegung dient, gemacht. Die Heizvorkehrungen der Eisenbahnen sindauch nicht ohne Weiteres anwendbar, da hier noch mancherlei Versuchegemacht werden, deren Ergebnisse noch nicht abgeschlossen sind. Na-türlich sind die Verhältnisse für den Krankenwagen nicht die gleichenwie für ein Eisenbahnabtheil. Immerhin erscheinen wohl auch Versuchemit der Warmwasserheizung geboten, welche in eisernen Röhren am Bodendes Wagens angeordnet werden könnte. Durch Ueberzug mit schlechtemWärmeleiter könnte wohl eine Warmhaltung auf etwa 1 / 2 Stunde erzieltwerden, welche — wenigstens für viele Transporte in der Stadt — aus-reichend sein dürfte.

Ich habe bereits 1894 empfohlen, die Wände der Wagen, welchecoupeeartig gebaut sein sollten, mit Ledertuch zu versehen oder ausglattem, polirtemllolz herzustellen. Auch die Sitze im Wagen sollen in dieserWeise verfertigt werden. Drei Jahre später habe ich Wagen in Londonkeimen gelernt und sie auch in meiner bereits oben erwähnten Arbeit ab-gebildet, welche genau in letzterer Weise hergestellt sind. Da ich da-mals ohne Kenntniss der Londoner Wagen diese Forderung für die Ein-richtung aufgestellt, so will ich aus meiner Schrift, welche eine Be-schreibung der Englischen Wagen enthält, diese hier anführen.

„Die Wagen selbst sind grösstentheils elegante Equipagen — dieseneuere Form ist seit etwa sechs Jahren im Gebrauch —, welche eineseitlich von hinten zu öffnende Thür besitzen, durch welche der Krankeauf der Trage eingebracht wird. Ferner sind zwei seitliche Thüren vor-handen, durch welche eine Nurse und auch ein Arzt sich zum Krankenhineinbegeben können. Bei allen Transporten vonKranken bis zum zehntenLebensjahre fährt nur eine Nurse mit, von diesem Alter an auch nochein neben dem Kutscher postirter männlicher Begleiter. Unterhalb derseitlichen Thüren befindet sich jederseits ein aufklappbares Trittbrett,welches beim Oeffnen der Thüren selbstthätig herunterklappt.

Dass Innere der coupeeförmig gebauten Wagen gleicht vollkommendem von Equipagen, nur sind Wände und Bänke aus polirtem Holzhergestellt, d. h. vollständig glatt und ohne jede Polsterung oder Stoff-bekleidung.

Der Zwischenraum zwischen den beiden Sitzbänken wird auf einerSeite des Wagens durch ein herausnehmbares Holzbrett ausgefüllt undauf diese so hergestellte Längsbank die Trage mit dem Kranken gesetzt.