Fürsorge auf dem Gebiete des Krankentransportwesens. 399
Aus diesen beiden Bemerkungen sind' an einen Krankenwagen zustellende Anforderungen erkennbar. Auch die Krankentransportwagenmüssen der Sicherheit und Bequemlichkeit der Kranken Genüge leisten.Hierfür sind die Hauptbedingungen, wie ich dies auch bereits vielfachin meinen Schriften dargelegt, dass der Wagen so gebaut und einge-richtet ist, dass Erschütterungen und Stösse den Kranken möglichstwenig belästigen, dass er genügend hoch und geräumig, hell, zu er-leuchten, zu lüften und zu erwärmen, und dass sein Innenraum möglichstleicht und sicher zu desinficiren ist. Der Wagen muss ferner von Pfer-den gut und ruhig zu bewegen sein, die Fenster dürfen nicht klirren,kurz es ist eine Zahl von technischen Erfordernissen beim Bau vonKrankenwagen in höherem Maasse zu berücksichtigen als bei dem ge-wöhnlichen Verkehr dienenden Wagen.
Das Aeussere der Wagen soll möglichst wenig ihre Bestimmungverrathen, damit der Kranke selbst nicht durch die absonderliche Formdes Wagens aufgeregt wird, und nicht bei einem Krankentransport vordem betreffenden Hause eine Menschenmenge sich ansammelt, was wie-derum zur Beunruhigung des Patienten beiträgt. Der erste Versuch,einen Krankenwagen zu bauen, welcher äusserlich seine Bestimmung-wenig verrieth, wurde bereits 1850 in Hamburg gemacht, wo Wagenhergestellt wurden, welche nach den Abbildungen in der von der Ham-burgischen Polizeibehörde herausgegebenen Schrift den Staatskarossenglichen. Der Wagen war in C-Federn aufgehängt, ausserdem befandensich auf den Räderachsen Blattfedern. Die Länge des Wagenkastenswar so bemessen, dass ein ausgestreckter Mensch darin liegen konnte.Im Inneren war auf Polstern ein vollständiges Bettlager hergerichtet,auf welches der Kranke gelegt wurde. Der Patient musste also im Freienvon seiner Unterlage entfernt werden, sodass es ziemlich unbequem war,den Kranken in dem hohen Wagenkasten unterzubringen, da im Wagen-inneren nur der Patient Platz hatte, und für Begleiter kein genügenderRaum vorhanden war. Die an den Seiten in Scharnieren beweglichen,in der Mitte zu öffnenden Thüren hatten keine Oeffnungen für Licht undLuft. Reinigung oder gar Desinfection dieses Wagens war mit grossenSchwierigkeiten verbunden, sodass aus allen diesen Gründen der Wagenfür neuere Anforderungen nicht genügend war.
Ziemlich viel später wurden in Wien Wagen von Lohner erbaut,welche Kaleschenform hatten und auch] in anderen Städten Eingangfanden. Die Wagen in Wien sind in den Veröffentlichungen der frei-willigen Rettungsgesellschaft, welche zum Theil leider vergriffen sind, ab-gebildet. Ich habe die Abbildungen in der Real-Encyclopädie der gesamm-ten Heilkunde wiedergegeben. Die einzelnen Typen dieser Wagen sind ver-schiedene. Bei der Berlineform ist der Kutschersitz ohne Zwischenraumam Wagenkasten angebracht, sodass der Innenraum des Wagenkastensunter dem Sitz des Kutschers verlängert ist. Die Krankentrage, aufwelcher der Patient liegt, wird entweder von hinten in den Wagengebracht, indem die Hinterwand nach oben aufgeklappt, und unten