Fürsorge auf dem Gebiete des Krankentransportwesens. 367
Vornahme lebenswichtiger Eingriffe bei Diphtherie oder bei geburtshilf-lichen Fällen — eine beschleunigte Beförderung zu weiterer ärztlicherHülfe erfordern. Die Pferde bespannter Wagen sollen bei Dunkelheit amZügel geführt werden.
Die Beförderung von Frauen mit Blutungen oder Schwangeren mussin sehr schonender Weise geschehen. Gerade ausgestreckte Haltung undVerhütung aller Erschütterungen sind hier unendlich wichtig. Mit demTransport von Schwangeren soll nicht bis unmittelbar vor der Entbindunggewartet werden, wenn nicht durch diese selbst eine schleunige Beför-derung der Patientin, z. B. in eine Anstalt bedingt wird, wenn also beider Entbindung Zufälle eintreten, die unter den vorhandenen häuslichenVerhältnissen die Beendigung der Geburt unmöglich machen. Bekanntsind in grösseren Städten „Droschkengeburten", wo die Entbindung vonselbst in einer Droschke auf der Fahrt ins Krankenhaus oder nach demeigenen Hause erfolgt. Meistens ist das lange Aufschieben des Trans-portes der Patientin die Ursache dieses Vorganges, welcher nicht immergünstig für Mutter und Kind abläuft. Andere Gründe für eine währendeiner Fahrt auftretende Geburt — welche auch im Eisenbahnabtheil undanderen Beförderungsmitteln schon vorgekommen ist — bestehen darin,dass Frauen über den Termin ihrer Niederkunft sich im Unklaren be-finden und von Wehen unterwegs überrascht werden. In anderen Fällentrifft dies allerdings nicht zu, sondern die Frauen kennen die Zeit ihrerEntbindung, sind aber noch so lange fern von ihrem Hause, bis plötz-lich die ersten Wehen sich einstellen, und dann unterwegs die Geburteintritt.
Kranke Kinder im zarten Alter können auf dem Schoosse gehaltenwerden. Aeltere Kinder sind wie Erwachsene zu befördern. Liegenansteckende Krankheiten vor, so ist in Bezug auf Auswahl des Beför-derungsmittels genau zu verfahren, als wenn ein Erwachsener zu trans-portiren ist. Die Beförderung kranker Kinder im Krankenwagen in denStädten wird noch später besprochen werden.
Wichtig ist ferner die Beförderung von Geisteskranken, für welchefrüher in Wien und Budapest fahrbare Gummizellen benutzt wurden. Inbeiden Städten werden sie aber nicht mehr angewendet und zwar mitRecht, denn alles Auffallende muss gerade für die Beförderung dieserPatienten — man denke an Deliranten — vermieden werden, wie ichbereits schon lange hervorgehoben. In Hamburg werden gewöhnlicheKaleschen, in welchen man jetzt einen Ueberzug aus EnglischemLeder hergestellt hat, hierfür mit gutem Erfolg gebraucht. Man benutzeWagen mit ganz unauffälligem Aeusseren, in welchen natürlich stetsausreichende Begleitung vorhanden sein muss, um Gewaltthätigkeitendes Patienten zu verhindern. In Berlin werden auf Erfordern zur Ab-holung von Kranken in die Städtischen Anstalten für Gemüthskrankebesondere Wagen mit Begleitern gesendet.