Druckschrift 
2,1 (1902)
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360 GL Meyer,

anderes Gefährt herbeikommen kann, während in der Nähe ein Kran-kenhaus oder eine Rettungswache sich befindet, welche Krankentragen be-sitzen, so wird man natürlich sich der letzteren bedienen, um nichtden Kranken lange an der betreffenden Stelle liegen zu lassen. DiePolizeiorgane werden in solchen Fällen stets ihr Augenmerk darauf rich-ten, dass der Kranke schnell vom Platze kommt, da die bei dieser Ge-legenheit gewöhnlich entstehende Ansammlung von zahlreichen Menschen,welche aus Neugierde, ohne irgend etwas zur Hülfe des Betreffenden bei-zutragen, herumstehen, wieder Anlass zu weiteren Unglücksfällen seinkann. Ist im angezogenen Falle sogar kein für den Transport bestimm-tes Geräth in absehbarer Zeit zu erreichen, so wird natürlich das ein-fachste Verfahren, den Patienten durch Menschen allein fortzutragen, an-gewendet werden müssen, oder es sind Improvisationen von anderen geradezur Hand befindlichen Gegenständen, wie Stühlen, Brettern vorzunehmen.Solche w r erden da in Frage kommen, wo nichts anderes im Augenblickezur Verfügung steht oder nur schwer oder mit grosser Aufwendung vonZeit zu beschaffen ist. Ist daher die Erkrankung keine ernste, so kannder Kranke z. B. in einer Fabrik so lange liegen bleiben, bis Transport-mittel zur Stelle geschafft sind, was in der Grossstadt ja gewöhnlichleichter möglich ist als auf dem Lande.

Ich wollte mit den genannten Beispielen zeigen, dass auch an einemOrte, wo das Krankentransportwesen gut eingerichtet ist, sich Ver-hältnisse einstellen können, welche andere Anordnungen als die gewöhn-lich dort für dasselbe geltenden erforderlich machen.

Wiederum ganz anders sind die Vorkehrungen dort zu treffen, woeigentlich zu allen Zeiten für die betreffenden Dinge nicht viel gethanworden ist oder aus natürlichen Gründen nicht gethan werden kann,z. B. im Gebirge, wo bei der Nothwendigkeit eines schleunigen Trans-portes aus Baumstämmen, Moos, Aesten, Jacken, Gebirgsstöcken Trag-bahren herzustellen sind, wenn, wie dies ja häufig der Fall sein wird.Unterkunftshütten nicht zu erreichen sind, in welchen auch Krankentragenbereit stehen.

Beim Transport in und auf Bergen zeigt sich auch, dass der zurück-zulegende Weg von Wichtigkeit für die Krankenbeförderung werden kann.Für diese Zwecke sind bestimmte Arten von Tragen hergestellt worden,welche zum Theil von grosser Vollendung sind.

Bei unaufschiebbaren Transporten, wo von der Schnelligkeit der Be-förderung das Leben des Kranken abhängt, z. B. bei einer wegen Diph-therie erforderlichen Tracheotomie, wird man sogar, wenn in der Nachtnichts anderes schnell zu erreichen, ein öffentliches Fuhrwerk benutzen,(was jetzt wohl in den Städten überall verboten) und dann die Des-infection des Fuhrwerks veranlassen. Natürlich wird man zu einemsolchen Schritt sich nur bei dringender Lebensgefahr des Kranken ent-schliessen, da die Desinfection der gewöhnlichen Droschken in den Gross-städten, 'welche nach solchen Transporten vorgeschrieben ist, eine sehrschwierige sein dürfte.