336 P. .Jacobsohn, Fürsorge auf dem Gebiete des Krankenpflege-Unterrichts.
Untcrrichtscursen (im Schul- oder Rathhause) durch Wanderrednerwelche nach und nach die Orte eines oder mehrerer Kreise besuchenund dabei im Auftrage eines gemeinnützigen Vereins ihre aufklärendeMission ausüben. Was den Inhalt der zu einem Unterrichtscurse ge-hörenden Vorträge anlangt, so ist es wünschenswerth, dass sie gemein-verständliche Belehrung bieten über die wichtigsten Erfordernisse desKrankencomforts, des Krankentransports, der unter ärztlicher Leitungvor sich gehenden Krankenwartung, über das Verhalten bei ansteckendenErkrankungen und die ersten Maassnahmen bei plötzlicher Lebensgefahrund Unfällen. Als die geeignetste Zeit zur Abhaltung der Vorträgekönnen wohl die Abendstunden angesehen werden, da die Familienmit-glieder, besonders auch der weniger bemittelten Volkskreise, am Abendweniger durch berufliche, wirtschaftliche, erzieherische etc. Verpflich-tungen in Anspruch genommen sind. Als ein Vorbild für derartigeöffentliche gemeinverständliche Unterrichtscurse über häusliche Kranken-pflege fügen wir die Vortragseintheilung bei, welche sich bei den er-wähnten in Berlin vom „Deutschen Verein für Volkshygiene" veranstal-teten Oursen, die aus 10 wöchentlich 1 mal stattfindenden Vorträgen be-standen, bewährt hat; die'einzelnen Themata lauteten: 1. Krankenzimmerund Krankenbett. 2. Bericht an den Arzt über Beobachtungen amKranken. 3. Die körperliche Pflege Kranker durch Familienangehörige.4. Die Ausführung der häufigsten ärztlichen Verordnungen. 5. Die Pflegekranker Kinder. 6. Die Pflege von Wöchnerinnen. 7. Krankentransport,Krankenfürsorge auf Reisen und erste Hilfe bei inneren Erkrankungen.
8. Das Verhalten bei ansteckenden Erkrankungen in der Familie.
9. Krankenfürsorge bei Verletzungen und erste Hilfe bei chirurgischenErkrankungen. 10. Besuche beim Kranken, , Krankenunterhaltung' undpsychische Krankenpflege. Die Dauer der Einzelvorlesung beträgt 1—2Stunden; Zeit: 8 —10 Uhr Abends. Die Gewinnung der Lehrkräfte dürftezumeist keine Kosten verursachen, da sich fast allerorts Aerzte bereitfinden dürften, die den Unterricht freiwillig in Ansehung des gutenZweckes übernehmen; ihn für die Zuhörer ganz unentgeltlich zu ge-stalten, kann mit Rücksicht auf eine möglichst grosse Betheiligungwünschenswerth erscheinen, hat aber insofern wiederum ein Bedenken,als die Bevölkerung erfahrungsgemäss dazu neigt, ganz unentgeltlichenDarbietungen auch keinen sehr hohen Werth beizumessen; immerhin wirdman das Entgelt für diesen Unterricht zweckmässig so niedrig bemessen,dass es kein Hinderniss des Besuches für die unbemittelten Theilnehmerbilden kann. In grossen Städten können bei genügender Betheiligungin verschiedenen Stadtvierteln Parallelcurse stattfinden. Als durchauserwünscht und als eine weitergehende Consequenz dieser Bestrebungenfür die Zukunft ist ferner die Einführung eines regelmässigen Unterrichtsin den obersten Gassen der Schulen, insbesondere der Mädchenschulenüber häusliche Krankenpflege und (im Anschluss an dieselben) in denFortbildungsschulen in Erwägung zu ziehen.