Druckschrift 
2,1 (1902)
Entstehung
Seite
334
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334 P. Jacobsohn,

pflege-Unterricht, der zur Zufriedenheit ausfiel. Eine Anzahl bewährterärztlicher Kenner des Krankenpflegewesens wie v. Leyden, M.'Mendel-sohn, E. Dietrich, G. Meyer u. A. sprachen sich in der Folgegleichfalls günstig bezüglich des Vorhabens aus, dass weiteren Kreisenein elementarer Unterricht in der Krankenpflege ertheilt werde. Für dieEinbeziehung des Krankenpflege-Unterrichts in die Lehrfächer der oberenSchulklassen traten erste schulhygienische und pädagogische Autoritäten wiez. ß. Kotelmann, Burgerstein ein, sodass in nächster Zukunft wohl mitSicherheit die Bestrebungen nach dieser Richtung eine erheblich grössereAusdehnung gewinnen werden. Hinsichtlich des öffentlichen Krankenpflege-Unterrichts für Erwachsene beginnen sich gerade in letzter Zeit dieChancen für eine umfassende und wirksame Ausgestaltung günstiger zugestalten, seitdem der jüngst begründeteDeutsche Yerein für Volks-hygiene" diese Art öffentlicher Belehrung und Aufklärung in sein Pro-gramm aufgenommen hat. Die von genanntem Verein letzthin unterBeihilfe eines unter v. Leydens Leitung stehenden wissenschaftlichenComites in Berlin veranstalteten öffentlichen Unterrichtscurse über häus-liche Krankenpflege, die einen sehr erfreulichen Erfolg gehabt haben, er-muntern entschieden zu einem weiteren Verfolgen des hier betretenenWeges zur Mitarbeit an der gesundheitlichen Wohlfahrt der Bevölkerung.Zum Schlüsse mögen noch einige Bemerkungen über die innere Or-ganisation des öffentlichen Krankenpflege-Unterrichts hier Platz finden.Als Lehrkräfte fungiren am besten erfahrene Aerzte; am geeignetstenzur Ertheilung derartigen Unterrichts sind solche Aerzte, welche ver-möge ihrer Lebensstellung als Leiter von Hospitälern, Lehrer an Kran-kenpflegeschulen oder Medicinalbeamte eine besonders eingehende Kennt-niss des Krankenpflegewesens besitzen. Eine gewisse Auswahl hinsicht-lich der Lehrkräfte scheint gerade mit Rücksicht darauf geboten, dassdieser Unterricht in geeigneten Händen eine sehr heilsame und förder-liche Wirkung auszüben vermag, bei unvorsichtiger Handhabung jedocherheblichen Schaden stiften kann. Der Unterricht soll nicht nur dazudienen, die bereits berührten falschen Vorstellungen der Bevölkerung überKranksein, Krankenpflege und Krankenbehandlung zu beseitigen und zurectificiren und dem Kranken selbst so eine zweckmässige Fürsorge ver-schaffen, sondern er soll zugleich auch den Aerzten eine wirksame underleichternde Unterstützung in ihrem schwerem Berufe bilden, indem erweiten Kreisen den Werth der ärztlichen Leistungen in geeigneter Weisevor Augen führt und das Verständniss für eine sachgemässere Ausfüh-rung der ärztlichen Verordnungen fördert. Er stellt sich dar als einenothwendige Ergänzung derjenigen mehr sporadischen Belehrung, welcheder im gegebenen Krankheitsfalle hinzugezogene Arzt der Familie zuTheil werden lässt, und die heutzutage nicht mehr als völlig ausreichend,wie in früheren Zeiten, angesehen werden kann, weil es den behandeln-den Aerzten oftmals zu eingehenderen Belehrungen über die Erforder-nisse der Krankenpflege an Zeit mangelt, weil ferner das Geschick zuderartigen Unterweisungen ein individuell sehr verschiedenes ist, indem