Druckschrift 
2,1 (1902)
Entstehung
Seite
333
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Fürsorge auf dem Gebiete des Krankenpflege-Unterrichts. 33<>

von tüchtigen sachverständigen Kräften und angesehenen Persönlichkeitenzur verständigen Durchführung der sich aus der gegebenen Idee ent-wickelnden volkserzieherischen Aufgaben. Die .Wirksamkeit des Einzelnenbleibt auf einen kleinen Kreis beschränkt, aber das gewichtige Anseheneiner imponirenden Vereins-Organisation vermag wohl eine erkennbareWirkung auf die Gesammtbevölkerung auszuüben. Wenn daher auch inden letzten Jahren mehrfach von einzelnen Aerzten, zumeist in kleinerenVereinen, bereits eine Anzahl von Vorträgen über Krankenpflege fürLaien gehalten wurden, so fehlte bis vor Kurzem noch gänzlich die Theil-nalime der Allgemeinheit an derartigen Bestrebungen. Die Aerzte selbstin ihrer Gesammtheit und ihre wissenschaftlichen Führer verhielten sichzurückhaltend, weil die Befürchtung nahe lag, es könnte bei der nochmangelnden practischen Erfahrung in diesen Dingen und bei der mög-lichen unrichtigen Handhabung des Unterrichts leicht die ohnehin dieKrankenbehandlung schwer schädigende Kurpfuscherei gefördert werden.Daher fand auch ein vom Verfasser in der Deutschen Gesellschaft füröffentliche Gesundheitspflege im Jahre 1895 vorgelegter Plan zur Orga-nisation des öffentlichen Krankenpflege-Unterrichts, zunächst für Berlin,in dem bereits einschlägige practische Maassnahmen enthalten waren,fürs Erste nicht diejenige Unterstützung von maassgebender Seite, welcheeine sofortige Inangriffnahme der Durchführung erwarten lassen konnte.Gleichwohl fand in der Folge der Gedanke eines öffentlichen Kranken-pflege-Unterrichts immer mehr Anklang. Auf der 1896er Gewerbe-Aus-stellung zu Berlin wurden mehrere Vorträge aus dem Gebiete der Kran-kenpflege gehalten, die im Publicum lebhaftes Interesse erregten. Auchdie Vereine vom rothen Kreuz und andere humanitäre Genossenschaftentraten der Unterweisung von Laien in der Krankenpflege näher; aller-dings wurde Seitens dieser Organisationen Werth darauf gelegt, die Mäd-chen und Frauen, welche am Unterricht theilnahmen, in mehrmonatlichenCursen hauptsächlich in der Kriegskrankenpflege, im Krankentransportund Depotdienst auszubilden, um sie im Kriegsfalle als geeignete frei-willige Helferinnen verwenden zu können. Andere Vereine, z. B. derEvang. Diakonie-Verein, suchten durch einen bis zu 1 jähriger Dauer fort-gesetzten und sich auch auf Krankenpflege erstreckenden Diakonie-Unter-richt erziehlich auf die Frauenwelt einzuwirken und Charaktereigen-schaften sowie ' körperliche Leistungsfähigkeit der Frauen zu stärken.Bezogen sich diese Unternehmungen freilich auch nicht auf diehäus-liche Krankenpflege" in dem ohen erörterten Sinne, so zeigten sie doch,dass das Interesse der Bevölkerung für einen Unterricht in den sanitärenFächern, der nicht die dauernde berufliche Bethätigung zum Zweck hatte,ein recht erhebliches war. Dazu kamen Meldungen aus England, welcheüber die befriedigenden Ergebnisse dortiger ähnlicher Einrichtungen be-richteten. So war in einigen englischen Mädchenschulen (z. B. in Mary-shill) ein obligatorischer Krankenpflege-Unterricht für die Schülerinneneingerichtet worden, der sich gut bewährt hatte. Auch in Dresdenmachte man an einer höheren Töchterschule einen Versuch mit Kranken-