Druckschrift 
2,1 (1902)
Entstehung
Seite
332
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33'2 P. Jacobsohn,

und nicht weniger enthalten, als der Sachkenner für die Laienbelehrungals erforderlich ansehen rauss, indem die meisten Lehrbücher und Leit-fäden über Krankenpflege, von denen weiter oben die gangbarsten an-geführt wurden, in erster Linie für' das fachliche Niveau berufsmässigerPflegepersonen berechnet sind und daher fast ausnahmslos zu viel Lehr-stoff enthalten und zu viel als bekannt voraussetzen, sodass man Gefahrläuft, sie möchten in der Hand des Laien durch Verleitung zur Kur-pfuscherei und zum Besserwissenwollen dem Arzt gegenüber verleiten.Sodann aber wirkt eine directe mündliche Belehrung durch geeigneteVorträge und Unterrichtscurse yiel nachdrücklicher und eindringlicher einals die gelegentliche Leetüre eines Buches, die ohnehin nicht allzu oftvorgenommen wird. Den wirklich geeigneten Schriften derart wärenatürlich eine viel weitergehende Verbreitung zu wünschen, als dieselbensie thatsächlich haben; auch zum Nachschlagen und Wiederholendürften solche Werke von zweifellosem Nutzen sein. Während nunaber eine wünschenswerte Gontrolle hinsichtlich der Leetüre natürlichin den Familien unmöglich ist und der ärztliche Einfluss so weit nichtreichen kann, ist es durchaus erreichbar, die angedeutete Belehrung durchpersönlichen ärztlichen Unterricht in zweckmässigster Weise durchzu-führen. Aber dieses müsste, um eine ausgiebige Wirkung zu haben, ingrossem Maasstabe geschehen; sowohl die grösseren Städte als die klei-neren Orte bedürfen einer Einrichtung, die gestattet die Grundlehren derKrankenpllege in das Innere der Familie hineinzutragen. Das Durch-greifendste wäre es ja, wenn von Seiten der staatlichen oder Gemeinde-behörden die Organisation eines öffentlichen Krankenpflege-Unterrichts ingeeigneter Weise in die Hand genommen würde; die Sache selbst istwichtig genug, um von massgebendster Seite eifrig gefördert zu werden.Auch würden sich gerade der Einführung eines öffentlichen Kranken-pflege-Unterrichts in den schon durch die sachlichen Erfordernisse ge-zogenen Grenzen keine nennenswerten materiellen Schwierigkeiten ent-gegenstellen. Aber, solange eine solche von den öffentlichen Behördendirect organisirte Belehrung der Bevölkerung auf diesem ihr Wohlbefindenso intim tangirenden Gebiete nicht Statt hat, ist es zum wenigsten dieunabweisbare und lohnende Aufgabe einflussreicher Vereins-Organisationendiese Lücke in der öffentlichen Krankenfürsorge auszufüllen. Wir würdenes hier mit einer Erweiterung resp. Ergänzung derjenigen Bestrebungenzu thun haben, wie sie zuerst für das Gebiet derersten Hilfe" auf An-regung von Esmarch Platz gegriffen und im Deutschen Samariter-Bundeund den zahlreichen Samariter-Vereinen eine so weitgehende Förde-rung erfahren haben, und es würde der öffentliche Krankenpflege-Unterricht auch ein Gegenstück bilden zu dem öffentlichen Elementar-unterricht in der Gesundheitspflege, wie er in den letzten Jahren bereitsvon Seiten verschiedener gemeinnütziger Vereine ins Leben gerufen wurde.Der Einzelne ist ja naturgemäss nicht in der Lage, auf dem genanntenGebiete eine durchgreifende Thätigkeit und Wirksamkeit zu entfalten;hierin bedarf es durchaus des Zusammenschlusses einer grösseren Anzahl