Druckschrift 
2,1 (1902)
Entstehung
Seite
328
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328 P. Jacobsohn,

zurufen, durch Betonung der gemeinsamen Berufsinteressen einen gangbarenWeg zu schaffen, in Verfolg dessen sich die vielfachen unerfreulichen Spal-tungen und Zerklüftungen, die sich gerade noch in der Organisation des ärzt-lichen Hilfspersonals zeigen, hoffentlich allmählich werden überbrücken lassen.

3. Krankenpflege-Unterricht für Laien.

Bereits an mehreren Stellen dieses Werkes (so auf pag. 176 in demden Krankencomfort behandelnden Capitel und auf pag. 272 des Ab-schnittes über die personelle Krankenwartung) ist kurz darauf hinge-wiesen worden, dass es in der Gegenwart nicht als hinreichend ange-sehen werden könne, wenn für eine vervollkommnete Belehrung derAerzte und der berufsmässigen Pflegepersonen über das Fachgebiet derKrankenpflege Sorge getragen wird, dass vielmehr auch ein sich an weiteKreise der Bevölkerung wendender öffentlicher Krankenpflege-Unter-richt als ein im Interesse der allgemeinen Wohlfahrt sich geltendmachendes Bedürfniss betrachtet werden müsse. Das Verlangen nacheinem Unterricht in der Krankenpflege, der für weitere Volkskreisc be-stimmt ist, ist erst in den letzten Jahren mehr und mehr hervorgetreten,und zwar ist die Anregung zu einer derartigen öffentlichen Belehrungvorwiegend von ärztlicher Seite ausgegangen, ein Umstand, der ohneZweifel seinen Grund darin hat, dass gerade die Aerzte sich in derletzten Zeit in viel höherem Maasse als früher bewusst geworden sind,welche ungemein wichtige und wirksame Unterstützung sie für die Er-folge der Krankenbehandlung gewinnen, wenn die personelle Umgebungder Kranken für die Pflege in geeigneterer Weise vorbereitet ist undihnen mit besserem Verständnis zur Hand gehen kann. Um die Forde-rung eines öffentlichen Krankenpflege-Unterrichts zu begründen, welcherfür Personen erthcilt wird, die die Krankenpflege nicht als ihren eigent-lichen Lebensberuf ansehen, ist es nöthig, sich zu vergegenwärtigen, dassdie Gesammtsumme berufsmässiger Krankenpflege, wie sie in der Gegen-wart der Bevölkerung zur Verfügung steht, trotz des gedeihlichen Em-porblühens der zahlreichen sich auf diesem Gebiete betätigenden Orga-nisationen und Vereine, doch numerisch in keiner Weise ausreicht, umdas durch die enorme Zahl von überhaupt vorkommenden Erkrankungenentstehende Pflegebedürfnis zu befriedigen. Ganz naturgemäss ist esunmöglich und wird in absehbarer Zeit auch unmöglich bleiben, dasseinem jeden schwerer erkrankten Individuum seitens einer vollgeschultenBerufspflegerin im Hause wird Beistand geleistet werden können. Eswäre dies eine ideale Forderung, die sich im practischen Leben nichtverwirklichen Hesse, und auch ohne jede therapeutische Schädigung derKranken unerfüllt bleiben kann; denn für den thatsächlich unbemitteltenTheil der Bevölkerung ist, wie heute allgemein von sachverständigerSeite anerkannt wird, die häusliche Pflege gar nicht einmal als die besteund zweckmässigste anzusehen, weil die unvermeidliche Beschränkung inmaterieller Beziehung der ausreichenden Entfaltung der Pflegemittel ein