Druckschrift 
2,1 (1902)
Entstehung
Seite
326
Einzelbild herunterladen
 

326 P. Jacobsohn,

in der Privatpflege ihre Kenntnisse verwerthen können. Sie sollen in ersterLinie lernen die allereinfachste Krankenkost zuzubereiten, und sichdabei der allergewöhnlichsten Herstellungsmittel zu bedienen; denn, wieSchlesinger mit Recht hervorhebt, ist es für Jemand, der z. ß. einenReisschleim aus Reiskörnern zu bereiten versteht, ein ausserordentlichLeichtes, ihn auch aus Knorrschem Reismehl herzustellen. Nach undnach folgen dann im Unterricht Zubereitungen der Getreidemehl- undSchleimsuppen aus Mehlen und Mehlpräparaten (Oat meal, Quaker oatsu. dgl.), vegetabilische Suppen (Obstsuppen), dann bei den Zubereitungenaus Fleisch Flaschenbouillon, Beef-tea, Fleischpuree, Fleischpulver,Fleischgelees, deren Herstellung den Pflegepersonen bekannt sein mussim Hinblick darauf, dass solche einfachen Componenten der Krankenkostzwar in der Grossstadt fertig bezogen werden können, auf dem Landejedoch erst jedesmal aus den Rohstoffen selbst zu gewinnen sind; sodannfolgen die Zubereitungen der Eier selbst und der einfachsten Eierspeisen(Eierweisswasser, Eierrahm). Für die Technik der Krankenküche sindferner von grosser Wichtigkeit die zur Erfrischung und Labung desKranken geeigneten Getränke (Brot-, Reis-, Gersten-Wasser, Limonaden,Orangeade, Mandelmilch). Schliesslich ist es auch wünschenswerth, dieAnwendungsweise der gebräuchlichsten diätetischen Präparate (Fleisch-peptone, Fleischextracte, Somatose, Nutrose, Tropon etc.) vorzuführen,ebenso die Kindermehle und Kindernährmittel, deren Kenntniss und Ver-wendung für die Berufsthätigkeit in der Privatpflege besonders erfor-derlich ist. Bewährt hat sich beim Unterricht die Methode, dass mandie Schülerinnen jede Speise und jedes Getränk, das sie unter Leitungdes Lehrers zubereitet haben, auch selbst kosten und probiren lässt; esist dies Verfahren wichtig, sowohl deshalb, weil sie dadurch kennenlernen, wie die einzelnen Zubereitungen vor sich gehen müssen, umwirklich schmackhaft zu sein, als auch deshalb, weil sie nur so einegewisse Selbstständigkeit gewinnen, zu beurtheilen, worin sie bei derHerstellung einer Krankenspeise es etwa irgendwie noch haben fehlenlassen (vgl. Deutsche Krankenpfl.-Ztg. 1898. pag. 107).

Am Schlüsse dieser Erörterungen über die Methodik des systema-tischen Krankenpflege-Unterrichts noch einige Bemerkungen über dieFortbildung der bereits fertig geschulten Pflegepersonen. EineArt Fortbildungs-Unterricht erscheint besonders für diejenigen Kranken-pfleger und Krankenpflegerinnen geboten, welche in freier selbstständigerWeise die Krankenpflege als Beruf ausüben, ohne mit einer genossen-schaftlichen Organisation in dauerndem Zusammenhange zu stehen, undferner auch für diejenigen Angehörigen einer Krankenpflege-Genossen-schaft, welche längere Zeit hindurch hintereinander keine Hospitalthätigkeitausgeübt haben, sondern während eines grösseren Zeitabschnittes ausschliess-lich in der Privat- resp. Gemeindepflege, oftmals in weitabliegenden kleinenOrten, Verwendung fanden. Für die bezeichneten Categorieen von Pflege-personen ist es dringend nöthig, dass sie sich fortgesetzt in Bezug aufWissen und Leistungsfähigkeit auf der Höhe des beruflichen Niveaus