292 P.Jacobsohn
ist nothwendig, die Beziehungen der Krankenpflegepersonen zur Aussen-welt, zu den Berufsgenossen, zu den Vorgesetzten (Aerzte, Oberinnen)zu dem sonstigen Krankenhauspersonal, zu den Angehörigen des Krankenetc., insbesondere aber die Beziehungen zu dem Kranken selbst, die ihmgegenüber erwachsenden Verantwortlichkeiten, sowie die allgemeinenGrundsätze über den Umgang mit kranken Menschen ausführlich im Zu-sammenhang darzustellen. Dem Einwände gegenüber, ob es nicht zweck-mässiger sei, wenn die Kunst des Umganges mit Kranken allmählichaus der Praxis heraus erlernt würde und ob die alleinige Erziehung durchpractische Erfahrung in der Berufsausübung nicht ausreichen könne, istzu bemerken, dass es einmal doch wohl richtiger ist, Jemandem, denman für einen besonders verantwortungsvollen Beruf ausbilden will,gleich von Anfang an den richtigen Weg zu weisen, als ihn erst durchzahlreiche Verfehlungen auf Kosten der Kranken klug werden zu lassen;sodann aber gewinnt auch die Darstellung gerade des Gebietes derKrankenpflege-Ethik sehr an Eindrucksfähigkeit und geht viel eher zuVerständniss, wenn sie im Zusammenhange und in systematischer Glie-derung vorgetragen wird. Jemandem, dem Gelegenheit geboten wird, inschneller Eolge den ganzen Bereich seines Berufes mit allen seinenAnforderungen in ethischer, physischer, intellectueller und technischerHinsicht zu überblicken, wird die richtige Vorstellung und Auffassungseiner Aufgaben wesentlich erleichtert. In dieser Thatsache liegt dieHauptbedeutung des theoretischen Krankenpflege-Unterrichts überhaupt(vgl. P. Jacobsohn, Ueber den theoretischen Unterricht in Krankenpflege-Schulen. Deutsche Krankenpfl.-Ztg. 1898. pag. 6).
Der zweite Theil des theoretischen Krankenpflege-Unterrichts «m-fasst die Belehrung über die grundlegendsten Thatsachen aus demGebiete der medicinisch-naturwissenschaftlichen Hilfsfächer, derenAneignung als Vorbedingung für ein richtiges Verständniss und einegeeignete Handhabung der weiterhin zu erlernenden, für die Ausübungdes Krankenpflegeberufes erforderlichen technischen Fertigkeiten an-zusehen ist. Dieser Theil des theoretischen Unterrichts muss gleich-falls in der allerersten Zeit der Fachschulung stattfinden, da eineirgendwie erspriessliche practische Bethätigung am Krankenbette sichnicht denken lässt ohne das Vorhandensein der hier dargebotenenelementaren Vorkenntnisse. Wie Jemand, der es unternimmt, krankeMenschen ärztlich zu behandeln, ohne sich zuvor durch Erledigung einesgeregelten medicinischen Bildungsganges die erforderlichen wissenschaft-lichen Vorkenntnisse und Grundanschauungen angeeignet zu haben, stetsein des allgemeinen Vertrauens unwerther Stümper und Kurpfuscherbleiben wird, so wird auch ein Krankenpfleger oder eine Krankenpflegerindie ihr zufallenden Aufgaben nur in sehr unvollkommener und wenigzufriedenstellender Weise erfüllen können, wenn die für die Krankenpflegewichtigsten Kenntnisse aus der Anatomie und Physiologie, sowie dieUnterweisung in den Grundzügen der Krankenbeobachtung und allgemeinenSymptomatologie fehlen. Leider hat man noch immer mit der Thatsache