Fürsorge auf dem Gebiete des Krankenpflege-Unterrichts. "291
erstens wird die Vorbildung und damit die Leistungsfähigkeit der zurpraetischen Ausübung gelangenden Personen wesentlich verbessert,zweitens werden weniger taugliche Personen dem Berufe ferngehalten.Beide Umstände aber können nur dazu dienen, den ganzen Stand, zuheben. Die vorstehenden Ausführungen haben ihre volle Bedeutungauch für den Krankenpllegeberuf, welcher durch eine besonders grosseAnzahl schwer zu erfüllender Pflichten und Verantwortlichkeiten, wiewir sie weiter oben eingehender geschildert haben, ausgezeichnet ist.Auch für den Krankenpflege-Unterricht für berufsmässige Pflegepersonenmuss daher schon im Beginne der gesammten fachlichen Vorbildung eineeingehende theoretische Belehrung über die besonderen Berufspflichtengefordert werden. Eine dieses Gebiet der Krankenpflege-Ethik betreffendeUnterweisung wird mit Nothwendigkeit den ersten Theil des theore-tischen Krankenpflege-Unterrichts bilden müssen, auf welche unter keinenUmständen Verzicht geleistet werden kann. Es wurde bereits berührt,dass das Vorhandensein einer gewissen, nicht eben häufigen, natürlichenVeranlagung für den Krankenpflegeberuf von zweifellos grösserer Be-deutung für die Eignung zur Ausübung desselben ist,, als die Stufe der„allgemeinen Bildung" in dem Sinne, wie dieser Ausdruck oft gebrauchtwird, und dass sich durch eine geordnete und gründliche Fachschulungin der Krankenpflege zwar Vieles, aber doch nicht Alles erlernen lässt,worin der Püegeberuf den künstlerischen Berufsarten, wie dem Berufedes Malers oder Bildhauers, ähnelt. Gerade für solche Personen nun,welche nicht von vornherein für den Krankenpflegeberuf „wie geschaffen"sind, aber doch den guten Willen und den nöthigen Eifer mitbringen,um etwas Tüchtiges zu lernen, ist der gleich beim Eintritt in die Lehr-Zeit ertheilte theoretische Unterricht von grossem Werth und von nach-haltigem Einfluss; derselbe vermag auf die gesammte Gedankenrichtungund Lebensanschauung der Pflegeschüler und Pflegeschülerinnen be-stimmend einzuwirken und sie für den neuen Beruf mit allen seinenFreuden und Leiden zweckmässig vorzubereiten. Wird bei dem theore-tischen Unterricht genügende Rücksicht auf die ausführliche und insEinzelne gehende Darlegung der gesammten Pflichtenlehre des Kranken-pflegeberufes genommen, so wird die hierdurch erzielte ethische Erziehungfür den speciellen Beruf sich um Vieles wirksamer für die Gestaltungder Berufsauffassung erweisen als die in den Jugendjahren erworbenehöhere Schulbildung. Allerdings ist es erforderlich, dass für diese er-ziehliche Belehrung eine entsprechende Zeit aufgewendet wird. Sie. darfnicht mit wenigen, den theoretischen Unterricht einleitenden Bemerkungen,nicht mit einem einzigen Vortrage abgethan werden, sondern die zahlreichensich ergebenden allgemeinen Gesichtspunkte und Berufsfragen ethischerNatur müssen in einer besonderen Reihe von Vorträgen für sich eingehendbesprochen und abgehandelt werden. Es genügt nicht, nur kurz die fürdie Krankenpflegepersonen notwendigen Charaktereigenschaften aufzu-zählen und daran anknüpfend einige gute Lehren zu geben, sondern es
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